Frau hat Spaß im Bett

Richtig masturbieren: Wie Frauen besseren Sex haben

Frauen haben in heterosexuellen Beziehungen oft Probleme, zum Orgasmus zu kommen. Woran das liegt und was hilft.

Studien zeigen: Während etwa 95 Prozent der heterosexuellen Männer angeben, beim Sex immer oder meistens zum Höhepunkt zu kommen, sind es bei den heterosexuellen Frauen gerade einmal etwas über 60 Prozent. 

Einfach mal selbst Hand anlegen

Woran das liegen könnte? Frauen werden von klein auf zu wenig ermutigt, sich mit ihrem eigenen Körper auseinanderzusetzen. Dabei sei das einer der entscheidenden Schritte zu einem selbstbestimmten und erfüllten Sexleben, sagt Sexologin und Autorin Jana Welch. Männer hingegen lernen "ganz früh, wie sie ihren Penis berühren müssen, damit es sich gut anfühlt", sagt die Expertin.

Dass man als Frau häufiger zum Orgasmus kommt, kann man aber lernen: "Das geht auch noch mit 40 oder 50, auch wenn es jahrelang nur mit technischer Hilfe geklappt hat." Die Expertin empfiehlt, zunächst selbst Hand anzulegen: "Sich selbst erfühlen. Dabei spüren, was sich gut anfühlt. Experimentieren."

Masturbation spielt beim Thema Orgasmus eine entscheidende Rolle, sagt auch Laura Hatzler, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin: "Studien zeigen, dass Frauen, die bei der Selbstbefriedigung wissen, wie sie zum Höhepunkt kommen, auch mehr sexuellen Selbstwert haben und auch häufiger zum Orgasmus kommen".

Dadurch hat man auch mehr Lust auf Sex. Wer sich selbst gut kennt und einschätzen kann, kommt eher zum Höhepunkt. 

Wichtig für mehr Lust im Bett: Nehmen Sie sich Zeit

Wichtig für mehr Lust im Bett: Nehmen Sie sich Zeit

©APA - Austria Presse Agentur

Statt Vibrator Hände und Finger benutzen

Aber wie fasst man sich richtig an? "Man braucht vor allem Geduld, das geht alles nicht von heute auf morgen", sagt Welch. Statt zu Vibrator, Satisfyer und Co. zu greifen, ist es ratsamer, die Hände und Finger zu benutzen.

"Fühlen Sie ganz bewusst, wie sich welche Berührungen an der Klitoris anfühlen und an den klitoralen Schenkeln, die über die ganze Vulva gehen. Was mögen Sie? Was fühlt sich nicht so gut an?" Und bitte nicht das Gleitgel vergessen. Oder noch besser: "ein schönes Öl - etwa Kokos-, Mandel- oder Rosenöl", rät Welch. "Gerne viel davon."

Ganz wichtig: Das dauert. Daher ist es wichtig, sich Zeit dafür zu nehmen. "Atmen Sie, bewegen Sie sich, auch das Becken, denn dann fühlen Sie auch mehr", so die Expertin. Denn: "Viele Frauen sind sehr angespannt. Ein angespannter Beckenboden bedeutet weniger Durchblutung, weniger Feuchtigkeit und im schlimmsten Fall Schmerzen."

Schmerzen sind einer der größten Lustkiller, sie können sich sogar negativ auf Beziehungen auswirken. Schlechte oder sogar traumatische Erfahrungen könnten dazu führen, dass nicht nur der penetrative Akt selbst, sondern auch Interaktionen, die potenziell dahin führen, gemieden werden, sagt Hatzler. Wer Sex vermeiden möchte, meidet dann vielleicht auch andere Berührungen, will nicht kuscheln oder küssen.

Einfach einmal hinfühlen: Was fühlt sich gut an - was nicht?

Einfach einmal hinfühlen: Was fühlt sich gut an - was nicht?

©APA - Austria Presse Agentur

Sex ist mehr als nur eine körperliche Interaktion

Einen intensiveren Orgasmus hat man jedoch zu zweit, sagt Hatzler: "Man weiß, dass sich die Intensität durch das gemeinsame Erleben mit einer anderen Person erhöhen kann." Ein Orgasmus, den man - nicht zwangsläufig gleichzeitig - mit einer anderen Person erlebt, kann sich also noch mal deutlich besser anfühlen.

Was einem dabei aber klar sein muss: Partnerschaftlicher Sex ist mehr als eine körperliche Interaktion. "Da gehört so viel dazu, so viel muss stimmen", sagt Welch. Hier wird es in vielen Beziehungen schwierig. 

Welch vergleicht in ihrem Buch "Sex that connects" sexuelle Lust mit einem Heißluftballon: "Er will hochsteigen, aber wenn viele Gewichte dranhängen, wird das nichts." Der Alltag mit all seinen Problemen stehe einem lustvollen Miteinander oft entgegen. Bei Konflikten werde Sex auch schnell zu einer Währung - etwa, wenn man ihn dem Partner aus "Rache" vorenthält.

Tipp der Expertin: Knutschen mit Zunge

Aber auch die schönen Seiten einer Beziehung können für eine Flaute im Bett sorgen: "Es gibt Paare, die kuscheln den ganzen Abend auf der Couch - und den heißen Sex haben sie dann mit anderen außerhalb der Beziehung", berichtet die Sexologin. Der Oxytocin-Pegel steigt nämlich auch beim Schmusen - Befriedigung auf andere Art.

Wer raus aus der "sexuellen Grundversorgung" will, wie Welch es nennt, sollte statt zu kuscheln lieber knutschen. "Sich stattdessen wieder lustvoll berühren, knutschen. Und nicht nur Bussis, sondern richtig küssen - mit Zunge!"

Das sei ein Anfang, aber wer gemeinsam guten Sex haben will, muss auch reden - über Sex, nicht über den Haushalt. "Oft hat der Mann gar keinen Plan, was sie mag, er macht einfach irgendwas. Und das vielleicht schon fünf Jahre lang - woher soll er es besser wissen?", sagt Welch.

Info

Ein Orgasmus bringt nicht nur Freude, sondern auch gesundheitliche Vorteile. Zum Beispiel wird dabei der Botenstoff Oxytocin ausgeschüttet, der zu einer verminderten Ausschüttung von Stresshormonen führt.

Noch mehr Tipps für besseren Sex

Eine Idee: Verabreden Sie sich einmal die Woche, um über Sex zu sprechen. "Jeder bekommt drei Minuten und erzählt einfach. Der andere hört nur zu", schlägt Welch vor. Wichtig sei, konstruktiv zu sein. Nicht nur zu sagen, was einem nicht gefällt, sondern auch, was schön ist. "Zum Beispiel auch mal zu sagen: 'Wie du mich da angefasst hast, hat mir gefallen.'"

Manchmal hilft es, erst mal solo zu erkunden, was gefällt und was nicht

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©APA - Austria Presse Agentur

Ein weiterer Tipp: Damit das Gespräch in Gang kommt, kann man eine "erotische Landkarte" zu Hilfe nehmen. "Man nimmt ein Blatt Papier, skizziert einen Körper und bittet den Partner, die Stellen zu markieren, von denen er denkt, dass man dort gern berührt wird."

Das mag anfangs befremdlich wirken. "Aber wenn man damit anfängt, am Rand der Komfortzone oder darüber hinaus zu kommunizieren, passiert etwas", sagt Welch.

Und wenn die Lust dann da ist: Tun Sie es! Und sagen Sie dabei, was sich genau jetzt gut anfühlt und was und wie Sie es in dem Moment wollen.

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