"The Sign" Cocktails

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Cocktails statt Wein zum Essen? Ja, so wird's gemacht!

„Nur nicht verkrampfen!“ ist Kan Zuos Devise, wenn’s um die immer wichtiger werdende Kunst geht, den richtigen Drink zum richtigen Gang zu servieren.

Lerne, worauf es bei Cocktails ankommt

Kan Zuo, der "The Sign"-Chef und innovativste Barkeeper Wiens, lädt euch in 10 Lessons dazu ein, mit ihm Cocktails zu machen. Hier geht es zu seiner freizeit-academy

Die Qual der Wahl kann mitunter sogar Stress machen. Und vor allem will man sich ja auch keine Blöße geben. Kam man früher mit simplen Food-Pairing-Grundregeln wie "rot zum Fleisch" und "weiß zum Fisch" über die Runden, haben sich die Entscheidungsmöglichkeiten über die Jahre vervielfacht, weil rot und trocken geht dann doch auch zum Meeresgetier, weiß kann auch Fleisch, wenn man weiß, welcher Weiße - und jetzt auch noch Cocktails zum Menü?!

"Cool bleiben", rät der preisgekrönte Barkeeper Kan Zuo und plädiert dafür, auch mal der eigenen Intuition zu vertrauen. Viele Dinge gehören ganz einfach zusammen, und wenn wir nicht zu viel herumgrübeln, dann greifen wir fast automatisch zum richtigen Glas.

Mehlwurm-Pairing?

"Bier mit Wurst, Käse mit Wein oder eben Sangrita mit gegrillten Heuschrecken oder Mehlwürmern - das sind alles kulturell in uns verankerte Foodpairings", erklärt Kan Zuo. Also je nach kultureller Zugehörigkeit natürlich.

Und bei diesen traditionellen Dingen, so findet der versierte Bartender, stimmt die Harmonie einfach perfekt.

Kan Zuo ist Chef in der "The Sign"-Bar im 9. Bezirk.

©Screenshot

Weniger ist mehr

Wagt man sich von den tradierten, uns in Fleisch und Blut übergegangenen Getränke-Speisen-Pärchen weg und versucht, neue Welten zu erforschen, gilt für Kan Zuo als oberste Regel: "Man muss auf Reize auch verzichten können." Damit spricht er die für ihn wichtige Harmonie in sämtlichen Getränken, Speisen und Lebenslagen an. Eine große Dichte an Aromen in einem Teil, verlangt nach möglichst große Klarheit im anderen.

Der Barkeeper geht sogar so weit zu bedenken zu geben: "Wenn ich schon 15, 16 verschiedene Geschmacksnuancen in meinem Essen habe, dann brauche ich vielleicht nicht noch unbedingt einen Cocktail dazu, der zehn weitere Zutaten ins Spiel bringt."

 

Sensibler Gaumen

Also, wir merken uns: Auf keinen Fall den Gaumen überfordern! Oder, wie Kan Zuo fortfährt: "Die Zunge und der Gaumen können 20, 30 unterschiedliche aromatische Eindrücke nicht ertragen!"

Food-Pairings sind wichtig, man soll sich vom Hype allerdings nicht überwältigen lassen und durchaus auf sein natürlich gewachsenes Gefühl vertrauen. Und nicht alles daran setzen, seine Skills, seine Kreativität zur Schau zu stellen. Der Gaumen ist sensibel, Angeberei schmeckt ihm nicht.

Kan Zuo

wurde in China an der alten Seidenstraße geboren und erlebte die verschiedensten Geschmäcker der Welt von klein auf. Seit mehr als 10 Jahren ist er Chef der Bar „The Sign“ im 9. Bezirk. Und europaweit beachteter sowie preisgekrönter Barkeeper. Er gilt als einer der innovativsten Vertreter seine Branche. Mehr dazu findet ihr hier thesignlounge.at.

Perfekte Pärchen

Martini - natürlich mit Olive - und italienische Antipasti. "Eine großartige Kombination", schwärmt Kan Zuo und betont, dass man sich hier ein wenig mit der Trockenheit des Martinis spielen sollte. Als Antipasti-Begleiter kann er ausnahmsweise ein bisshen mehr Wermut vertragen, als die klassische 1:6 Verhältnis. Aber das muss natürlich jeder für sich entscheiden. 

Dann nennt Kan Zuo gleich ein weiteres seiner Lieblings-Pärchen: Rum Old Fashioned mit Cheescake - oder Sachertorte. Auch hier kann man den Old Fashioned ein wenig variieren, so quasi als Nachtisch aufpimpen. Statt Whiskey ist ohnehin schon molliger karibischer Rum drin, Schokoladebitters bieten sich zusätzlich an, eventuell auch eine Expresso-Note oder Kokosnuss-Süße. Cheers - und Mahlzeit!

Hier geht's zu Lesson 8 der freizeit Cocktail-Academy

 

Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Redakteur bei KURIER freizeit. Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also auch immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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