Weinflaschen Doppler 2 Liter Weinflasche Warum der Doppler als Weinflasche unterschätzt wird

Flaschenpost: Warum der Doppler als Weinflasche unterschätzt wird

Der Doppler galt lange als Symbol für schlechten Massenwein. Doch eigentlich hätte die kultige Flasche Potenzial: für guten, ehrlichen Wein.

Es ist kompliziert. Eigentlich reifen Weine in großen Gebinden am besten. Das hat schlicht physikalische Gründe: Je mehr Flüssigkeit in der Flasche, desto weniger Sauerstoff kommt im Verhältnis zur Gesamtmenge damit in Berührung. Zu viel Sauerstoff bedeutet Oxidation – bedeutet Essig am Ende des Tages.

Warum dennoch ausgerechnet im Doppler die miesesten Weine abgefüllt wurden, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Es muss etwas mit dem einstigen österreichischen Dogma „Quantität vor Qualität“ zu tun haben. Wenn schon nicht gut, dann wenigstens viel davon. 

Dazumal eine der heimischen Sparerseele zutiefst verinnerlichte Gesinnung. Freilich war der Doppler so konstruiert, dass man erst gar nicht auf die Idee kommen konnte, guten Stoff darin  aufzubewahren. Der Flaschenhals war so klein, dass darin kein ordentlicher Korken Platz fand. Die Folge: Kurze, billige Korken ließen erst wieder jede Menge Sauerstoff durch.  

So etwas nennt man Selbstsabotage. Dass man den Doppler später „Austro Magnum“ nannte, zeugt von ausgeprägtem Sinn für Satire. So oder so: Der Doppler wurde aus dem kollektivem Bewusstsein verdrängt. Schade eigentlich: Mit der signifikanten Form hätte die Flasche einen hohen Wiedererkennungswert

Man könnte darin guten, nicht auffrisierten Wein abfüllen – Wein, der kein Monatseinkommen verschlingt und trotzdem etwas taugt. Keine industrielle Massenware, keine künstlichen Behübschungen. Ganz normaler Wein für größere Runden oder zum Ausschenken. Eigentlich gar nicht kompliziert.

Christina Fieber kommt aus Salzburg und arbeitet als freie Weinjournalistin in Wien.

Christina  Fieber

Über Christina Fieber

Christina Fieber kommt aus Salzburg und arbeitet als freie Weinjournalistin in Wien.

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