Warum gehen Katzen und Hunde zu Menschen, die diese Tiere nicht mögen?

Tierpsychologin Michaela Knosp erklärt, welches Verhalten auf Katzen und Hunde besonders attraktiv wirkt.

Es soll tatsächlich Menschen geben, die keine Katzen mögen oder sich gar vor ihnen fürchten. Tante Inge (Name von der Redaktion geändert) ist so ein Mensch. Unvorstellbar eigentlich. Dabei haben die Tiere doch diese Anmut, diese Weichheit, diese Schmusigkeit, diese coole Arroganz, diese eingeschriebene Anarchie. Pardon, ich schweife ab.
Tante Inge sitzt beim Familientreffen am Tisch, auf einmal schleicht sich ein schwarzer Miniatur-Panther an. Zielgerichtet steuert er das Bein der Tante an, um als Zeichen seiner Zuneigung  – obgleich er sie gar nicht kennt – kräftig den Kopf daran zu reiben. Dabei bleibt es nicht, er setzt an, um nach einem Sprung ihren Schoß zu erobern. Alle rundherum finden das herzig, nur Tante Inge nicht. Und die Anverwandte ist nicht die einzige Person, die dieses Schicksal teilt. Aber warum ist das so?

„Das hat hauptsächlich etwas mit der Körpersprache zu tun“, sagt die Salzburger Tierpsychologin Michaela Knosp, auch wenn sie vorausschickt, dass die Sozialisation der Tiere eine Rolle spiele und eine hundertprozentige Erklärung nicht möglich sei. „Menschen, die Katzen nicht mögen, schauen ihnen nicht in die Augen, fuchteln nicht herum, reden nicht mit ihnen, sind leise.“ Das seien für die Tiere untrügliche Zeichen, dass sie nicht bedroht sind. Für jene, die unerwünschte Begegnungen wie Tante Inge vermeiden wollen, hat Knosp einen Rat auf Lager: „Benehmen Sie sich als Nichtkatzenfreund wie ein Katzenfreund.“
Bei Hunden sei das Phänomen noch etwas differenzierter zu betrachten. Zweibeiner sind für die Rudeltiere grundsätzlich interessant. „Menschen, die sich fürchten und sich auch so bewegen, sind spannend, sie riechen anders.“  Dann orientieren sie sich, wie eine japanische Studie gezeigt hat, am Verhalten ihrer Besitzer. „Sind diese zu Besuchern freundlich, sind es die Hunde auch eher.“ Und wie bei der Katze gelte: Grundsätzlich habe es das Tier lieber, wenn man nicht allzu viel vor ihm herumfuchtelt und es nicht mit unaufgeforderter Zuneigung überschüttet. Ganz schlecht für Tante Inge: Hunde mag sie nämlich auch nicht. 

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Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich mit Reise, Kultur, Kulinarik und Lifestyle - also den schönen Dingen im Leben - befassen. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in der KURIER-Chronik, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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