Ein junger Mann in Badehose, mit Taucherbrille, Schnorchel und Schwimmreifen steht gelangweilt da.

Warum fällt es so schwer, einfach nichts zu tun?

Im Urlaub einfach nur chillen und langweilen. Es gibt, Menschen, die das nicht können. Nichtstun ist schwierig - und manchmal gar nicht sinnvoll.

Im Urlaub einfach nur nix tun – außer tschün. Blöd nur, dass die Wiener Herzensdame das Wort nicht versteht – oder verstehen will. Jetzt nicht nur vom Begriff her.

 Tschün sagen junge oder weniger junge Menschen in Oberösterreich, wenn sie chillen meinen, also wenn sie ausspannen.

 Dazu kommt, dass ihr das fabelhafte Konzept des tschüns gänzlich fremd ist. Dabei wäre das ja ganz einfach:

...

So schwierig kann das Nixtun also überhaupt nicht sein.

 Sie kann wirklich viel. Nur das kann sie nicht. Denn wie hieß es in der Baumarkt-Werbung vor ein paar Jahren? „Es gibt immer was zu tun, yippie jaja, yippie yippie yeah!“ Und da ist sie nicht die Einzige.

Darum ist es schwierig loszulassen

„Mit dem Loslassen und dem Herunterkommen ist es so eine Geschichte“, sagt Paul Jiménez. Er ist klinischer Psychologe und Leiter der Fachsektion Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologie beim Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen. „Gerade bei Bürojobs rennt das Rad weiter, auch wenn man frei hat.“

Und dass es immer was zu tun gibt, findet auch die Gesellschaft: „Es wird gut gefunden, wenn man etwas leistet. Und auch in der Freizeit ist man auf Leistung getrimmt.“ Müßiggang hat im Gegensatz dazu eine schlechte Presse. Immerhin soll er ja der Laster Anfang sein. „Loslassen wird als Faulheit gesehen“, sagt der Psychologe.

Portätbild von Paul Paul Jiménez. Der klinische Psychologe trägt Sakko und ein rotes Hemd.ologie beim Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen.

Paul Jiménez ist klinischer Psychologe und Leiter der Fachsektion Arbeits-, Wirtschafts- und Organisationspsychologie beim Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen.

©Privat

Aber jetzt jemandem zum Glück des Nichtstuns zwingen, hält er nicht für sinnvoll. „Wenn jemand nicht das Bedürfnis danach hat, ist das nicht notwendig. Ein quirliger Mensch muss nicht immer nichts machen.“ 

Ab wann man sich helfen lassen soll

Kritisch werde es hingegen, wenn man sich permanent denke: „Was kann ich tun, damit ich loslassen kann?“ In so einem Fall sollte man Hilfe in Anspruch nehmen.

Und er formuliert einen Satz zum Einrahmen: „Das Ziel zu haben, kein Ziel zu haben, ist auch wieder ein Ziel.“

Dann also doch etwas in Angriff nehmen: der Herzensdame Oberösterreichisch beibringen – und das Konzept des Tschüns.

Frage der Freizeit

Hier schreiben Autoren und Redakteure abwechselnd über Dinge, die uns alle im Alltag beschäftigen.

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er schreibt dort seit Dezember über Reise, Kultur, Kulinarik und Lifestyle. Also über alles, was schön ist und Spaß macht. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in der KURIER-Chronik, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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