Warum bekommen wir Frühlingsgefühle?

Plötzlich Herzerln in den Augen und euphorisches Stimmungshoch: das sind die Gründe.

Na, spüren Sie’s schon? Wie sich die Laune hebt? Der Villacher Fasching war das nicht. Ganz sicher nicht. Was ist das, was der Frühling mit uns macht? Jeder Gefühlseisblock liebäugelt damit, ein Enrique Iglesias zu sein. Jede Zweigstellenleiterin hat plötzlich Herzerln in den Augen. Unsere Sinne tanzen Cha-Cha-Cha. Wir erwachen aus dem Winterschlaf. Mehr Licht!

Schuld dran sind, eh klar, die Hormone. Was sonst. Wenn die Tage länger werden und die Schneeglöckchen zu blühen beginnen, geht es im Körper zu wie am Rummelplatz auf der Hochschaubahn. Wir spüren Euphorie. Während wir gestern noch regelmäßig beim Netflixen von „You“ eingeschlafen sind, wollen wir plötzlich raus. Was erleben!

Mehr Glücksbotenstoffe

Dazu muss man wissen: Melatonin, ein schlafförderndes Hormon aus der Zirbeldrüse, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert, wird im Frühjahr eher unterdrückt. Christian Gruber, Professor am Institut für Pharmakologie an der Medizinischen Universität Wien, weiß es sogar noch genauer. Denn zusätzlich zum Rückgang des Melatonins wird, durch das zunehmende Sonnenlicht und mehr Wärme, die Produktion an Glücksbotenstoffen, vor allem Serotonin hochgefahren.

„Serotonin wirkt anregend und stimmungsfördernd, sodass wir uns fit fühlen und voller Tatendrang sind“, weiß Gruber.

Nicht nur das. Reizen gegenüber sind wir empfindlicher und aufmerksamer. Nach den Ausläufern des grau-drögen Jänners hören wir die Vöglein zwitschern, riechen die Natur, knallen uns die Farben ins Auge. Und: Uns ist ziemlich Negligé zumute, wie Karl Valentin es ausdrückte. Oder, wie das Internetlexikon Wikipedia es trocken formuliert: Wir fühlen uns besonders leicht zu anderen Menschen hingezogen. Das mag allerdings auch daran liegen, dass wir im Frühling weniger anhaben als sonst. Denn die Produktion von Sexualhormonen, so Gruber, ist geschlechtsspezifisch reguliert. Bei Männern etwa ist die Testosteron-Produktion nicht im Frühling am höchsten, dafür im Spätwinter. Wildtiere sorgen so etwa dafür, dass der Nachwuchs nach der Paarung im Frühling heranwachsen kann. Und damit mit reichem Nahrungsangebot.

Alexander Kern

Über Alexander Kern

Redakteur KURIER Freizeit. Geboren in Wien, war Chefredakteur verschiedener Magazine, Gründer einer PR- und Medienagentur und stand im Gründungsteam des Seitenblicke Magazins des Red Bull Media House. 12 Jahre Chefreporter bzw. Ressortleiter Entertainment. Schreibt über Kultur, Gesellschaft, Stil und mehr. Interviews vom Oscar-Preisträger bis zum Supermodel, von Quentin Tarantino über Woody Allen bis Jennifer Lopez und Leonardo DiCaprio. Reportagen vom Filmfestival Cannes bis zur Fashionweek Berlin. Mag Nouvelle Vague-Filme und Haselnusseis.

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