Autobahn in der Nacht

Warum fahren auf einer dreispurigen Autobahn alle auf der Mittelspur?

Fragen der Freizeit ... und Antworten, die euch überraschen werden.

Dreispurige Autobahn – ganz große Entspannung? Nicht wirklich. Diese ausgebauten Pisten scheinen eine Lemming-Mentalität hervorzurufen. Ist kein Verkehr, findet man die wenigen Autos garantiert auf der mittleren Fahrbahn, bei stärkerem Verkehrsaufkommen verdichtet es sich dort zu einer endlosen Schlange. Wieso?

Eins vorweg: Es sind natürlich immer die anderen, die das tun, eh klar. Aber wer sind diese anderen? Der allgemeine Verdacht: betagte Sonntagsfahrer mit Hut, das Steuer so fest im Griff, dass die Fingerknöchel weiß hervortreten. Angst vor der Leitplanke links und dem Graben rechts, also immer möglichst viel Abstand bewahren...

Stimmt auch. Zum Teil, wie Wolfgang Berger vom Institut für Verkehrswesen an der BOKU Wien in einem Interview bestätigte. Hauptursache ist aber, wie er weiter erklärt, die Bequemlichkeit. Reiht man sich nämlich immer wieder rechts ein, muss man blinken, den Kopf wenden, in diverse Spiegel schauen. Wer dagegen gnadenlos in der Mitte klebt, kommt schneller voran als LKWs, ohne aktiv etwas tun zu müssen. Und es reicht, den Blick gemütlich nach vorne zu richten.

Dann gibt es noch die sogenannten „Oberlehrer“. Ich fahre 130, schneller darf man nicht, ich fahre also, wo ich will, argumentieren sie und sehen sich praktisch als einsame Helden, die Raser so ganz nebenbei in ihre Schranken verweisen.  Dabei verstoßen allerdings sie selbst gegen die Straßenverkehrsordnung, die das Benutzen der rechten Fahrstreifen ganz klar vorschreibt.  20 Sekunden bis zum nächsten Überholmanöver gilt in Deutschland, 200-300 m Abstand, heißt es in Österreich. Der deutsche Verkehrsforscher Michael Schreckenberg errechnete, dass sich die Staugefahr alleine durch die Mittelstreifen-Fahrer um 20 Prozent erhöht.

Wer brav rechts reinfährt, sieht sich oft allerdings mit einem fiesen Phänomen konfrontiert: Es ist nämlich tatsächlich schwierig, dort wieder rauszukommen. Weil in der Mitte eine endlose Schlange kaum gewillt ist, Platz zu machen. Und nach einigen mühsamen Versuchen siegt auch bei besten Vorsätzen schon mal die Bequemlichkeit ...

Frage der Freizeit

Hier schreiben Autoren und Redakteure der freizeit abwechselnd über Dinge, die uns alle im Alltag beschäftigen.

Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Redakteur bei KURIER freizeit. Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also auch immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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