Prügg im Ennstal in der Steoermark

Das "steirische Kripperl“ und sein Superlativ-Berg

Heimatdichter Peter Rossegger liebte den Ort im Ennstal. Aber die Kirche bleibt oft unbeachtet – weil alle auf den Felsbrocken schauen.

Wer durch das Ennstal fährt, hat ihn plötzlich vor sich und staunt: Der Grimming steht als größter Monolith Europas einfach da. Was nicht alle gleich sehen: Gegenüber dem eindrucksvollen Berg führt eine Straße von der Durchzugsroute ins Ausseerland bis zu einem Parkplatz vor der Ortstafel von Pürgg. Ab hier gilt Fahrverbot.

Der Grimming ist Europas größter Monolith.

Der Grimming ist Europas größter Monolith.

©werk/comma.info

Der Spaziergang zur Dorfmitte geht entlang erhaltener Bauernhäuser. Viele haben Jahrhunderte überdauert, die alten Geräte für Feldarbeit an manchen Fassaden sind Zeugen der Vergangenheit. Der kleine Ort liegt abseits des Touristenstroms und hat bis heute Charme.

Vom Markgraf bis zum Touristenstrom

Der Turm der romanischen Pfarrkirche überragt das ganze Dorf. Eine Besonderheit sind die Spiralen aus Schmiedeeisen am Westportal, sie sollen böse Geister abwehren. Die Kirche ist durch eine überdachte Brücke mit dem Pfarrhof verbunden, einem mächtigen Bau. Er war möglicherweise einst Teil der Burg Grauscharn, die auf der Anhöhe als Pfalzburg für Markgraf Ottokar III. diente und den Herrschaftsmittelpunkt für die Grafschaft Ennstal darstellte.

Die Umrundung der Kirche über den Friedhof mit kunstvollen schmiedeeisernen Grabkreuzen bietet freien Blick ins Ennstal zum Schloss Trautenfels. Verlässt man das kirchliche Szenario durch ein Tor mit mächtigen Säulen, taucht man ins Leben am Dorfplatz ein.

Kastanienbaum

Dieses Leben besteht aus fröhlichem Geplauder an den Tischen unter einem Kastanienbaum – untermalt vom Konzert dreier Musikanten, die gegenüber dem Gasthaus Krenn zum sonntäglichen Frühschoppen aufspielen. Diese Gaststätte hat eine lange Tradition: Seit dem 14. Jahrhundert verkörpert sie gelebte Gastfreundschaft. In der verglasten Veranda – wo Dielenboden und Holzdecke, Tische und Stühle mit den Gedecken ein harmonisches Ganzes bilden – wird bei kühlem Wetter serviert. Bei Sonne sind alle Tische unter dem Kastanienbaum vor dem Haus besetzt. Tagsüber wird traditionelle Hausmannskost angeboten. Die Abendkarte mit Zutaten aus der Region verblüfft selbst Stammgäste immer wieder aufs Neue.

Beseelt vom Gedanken, Besuchern neben kulinarischen Genüssen einen Ort zum Übernachten zu bieten, erweckte Wirtin Theresia Sabath das ehemalige – über hundert Jahre alte – Alpenhotel Adam aus dem dreißigjährigen Dornröschenschlaf. Einen Steinwurf vom Gasthaus entfernt, eröffnete vor vier Jahren nach Renovierung und Ausstattung mit zeitgemäßem Komfort das Gästehaus Krenn.

Das Leben in Pürgg findet unter Kastanienbäumen statt.

Das Leben in Pürgg findet unter Kastanienbäumen statt.

©Manfred Ruthner

Theresia, die mit Pürgg tief verwurzelt ist, legt viel Liebe auf Details – um sowohl Tradition wie moderne Technik zu vereinen. Ausgestattet mit feinsten Tischlerarbeiten und Kunstwerken bietet das Gästehaus eine Symbiose aus Tradition und Zeitgeist. Im selben Haus bietet eine Greißlerei kulinarische Souvenirs und Jausen für Pürgg-Besucherinnen und Besuchern an.

Ein Gasthaus als Zentrum

Gasthaus, Gästehaus und Greißlerei prägen den Ort und werden wie ein Familienbetrieb geführt. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammen aus der Region und arbeiten sehr leidenschaftlich und engagiert.

Ein Fresko als Kulturschatz in Pürgg.

Ein Fresko als Kulturschatz in Pürgg.

©Manfred Ruthner

"Wir können nur gemeinsam das vollbringen, was Pürgg so einzigartig macht. Pürgg ist unser Leben!“, meint Theresia, und es klingt ehrlich. Als Gast wird man liebevoll und unaufdringlich betreut, eine Atmosphäre, die inspiriert. Passend zum Ambiente beim Gasthaus Krenn erscheinen Stammgäste oft in Dirndl und Lederhose zum Abendessen. Alles zusammen trägt dazu bei, um die Stimmung inmitten der Landschaft genießen zu können.

Fresken und Panorama

Pürgg wirkt, wenn es da so als Gegenüber des schroffen Grimming steht, von einem besonderen Zauber erfüllt. Dazu trägt ein Spaziergang auf eine Anhöhe zur romanischen Johanneskapelle bei. Die Fresken im Innenraum stammen aus dem 12. Jahrhundert. Ein Beispiel für die Darstellungen ist der Katzen-und-Mäuse-Krieg, eigentlich ein heidnisches Tiermärchen, im hinteren Teil der Südwand. Die romanischen Fresken gelten als eines der bedeutendsten Werke ihrer Zeit im Ostalpenraum.

Vom Hügel vor der Kapelle bietet sich ein großartiges Panorama. Der Blick schweift über die Dächer der Häuser von Pürgg und die Pfarrkirche auf den felsigen Abhang des Grimming, der mit 2.350 Metern der höchste frei stehende Bergstock Europas ist – ein Monolith.

Spätestens jetzt versteht man Peter Rosseggers Liebeserklärung an Pürgg: „In der Berge Falten tief geschmiegt und gewickelt in den weichen Wald // wie das Kindlein in der Wiege liegt, ist mein liebster Aufenthalt.“

Info zu Pürgg

Klimafreundliche Anreise: Mit dem Zug über Stainach-Irdning nach Pürgg, ab Wien in mindestens 3,5 Stunden, oebb.at

Essen und Schlafen: Die Küche des Gasthofes Krenn entwickelt sich laufend weiter. Neben regionalen Schmankerln zu Mittag bietet die Abendkarte Speisen auf hohem Niveau. Im renovierten Hotel gibt es sieben Doppelzimmer und Suiten. Sie sind teilweise mit einem großen Balkon ausgestattet. Das Besondere: Der Ausblick über das Ennstal oder auf den Grimming. gasthauskrenn-puergg.at

Auskunft: steiermark.com

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