Skurrile Mode: Wer kann denn das tragen?

Einige neue Kreationen der Designer lassen einen staunen. Warum bringen sie Looks auf die Laufstege, die niemand tragen kann?

Die skurrilen Entwürfe der Designer für Herbst-Winter 2023/24: Bei Viktor & Rolf tragen Models Badeanzüge mit Botschaft, Gucci schickt die Models in Mini-BHs über den Laufsteg und bei Miu Miu wurde auf die Hose vergessen: Würden Sie in einem dieser Outfits in einem Restaurant in der Wiener City auftreten? Eben. Die neue Kreationen der Designer sind alles andere als straßentauglich.

Kampf um Aufmerksamkeit

Dazu muss man wissen, dass die Kreationen, die auf den Modeschauen gezeigt werden, nicht zur Gänze in den Handel kommen. Die auffälligen Stücke  sind lediglich dazu da, auf Plakaten, in Anzeigen oder in Modestrecken gezeigt zu werden. Das bestätigt auch Monica Titton, die Modegeschichte an der Angewandten in Wien lehrt: „Diese ,show pieces’ sorgen für viel mediale Aufmerksamkeit, sind aber oft eine überzeichnete Version dessen, was später produziert und verkauft werden soll. Das heißt: Nach der Show werden sie in tragbarere Versionen übersetzt, die produziert und verkauft werden – zwar aus denselben Materialien und in denselben Farben, aber in weitaus weniger komplexen Schnittkonstruktionen.“

Eine Modenschau ist zudem ein Gesamtkunstwerk: Die Stile, der Austragungsort, die Musik. Viele der gezeigten Looks sollen nur die Auseinandersetzung der Designer mit bestimmten Themen bezeugen. Viktor & Rolf stellten ihre Kollektion unter den Titel „Verkörperung“ und ließen Badeanzüge mit klaren Botschaften versehen.

Bei Viktor & Rolf prangt ein "No" auf dem Badeanzug.

©APA/AFP/JULIEN DE ROSA

Hinzu kommt: Eine Show dauert rund 15 Minuten. Die Designer haben also nur kurz Zeit, ihre Vision für die nächste Saison zu zeigen. Ein skurriles Outfit einer Modenschau geht via Social Media innerhalb von Sekunden um die Welt. Ein Bild spricht mehr als tausend Worte.

Bei Miu Miu wurde das Model ohne Hose auf den Laufsteg geschickt. 

©APA/AFP/GEOFFROY VAN DER HASSELT

Prominente Abnehmer

Aber selbst die untragbarsten Teile finden mögliche Kunden: Stars und solche die es noch werden möchten – denn sie sorgen damit für Aufsehen. Pop-Sängerin Miley Cyrus trägt zum Beispiel mit Vorliebe bei ihren Auftritten provokante Fast-Nackt-Outfits. Auch Lady Gaga ist für ihre Liebe zu skurrilen Looks bekannt: Sie trug 2010 ein Outfit, das zur Gänze aus echtem Fleisch bestand. Und erst kürzlich zeigte sich auch die noch eher unbeachtete Schauspielerin  Emma Corrin bei den Filmfestspielen in Venedig im No-Pants-Look von Miu Miu. Hose vergessen, dafür  eine Schlagzeile bekommen.

Pop-Sängerin Miley Cyrus ist eine prominente Abnehmerin von provokanten Outfits.

©APA/AFP/FREDERIC J. BROWN

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