Dunkelbunt Tattoo Studio Stefanie Keuschnigg

Haut Couture: Diese Tattoos liegen gerade im Trend

In oder out? Bei Tätowierungen ist das wie in der Mode. Stefanie Keuschnigg vom Wiener Studio Dunkelbunt Tattoo erklärt, was angesagt ist.

Eine wahre Bilderflut gibt es im Sommer. Wenn es heiß ist, fällt auf, wie viele Menschen Tattoos auf ihrer Haut tragen. Manchmal scheint es gar so, als sind die Untätowierten mittlerweile in der Minderheit. Und die Dunkelziffer dürfte noch größer sein. „Viele tragen ihre Tattoos versteckt an Körperteilen, wo man sie erst auf den zweiten Blick entdeckt“, erzählt Stefanie Keuschnigg vom Studio Dunkelbunt Tattoo in Wien. Eigentlich kontraproduktiv, könnte man meinen. Wozu es haben, wenn man es nicht herzeigt? „Derzeit müssen alle Tattoos eine Bedeutung für die Menschen haben, die sie tragen. Da ist es nicht so wichtig, wenn sie andere nicht sehen.“ Besonders häufig sticht die Künstlerin derzeit ganz feine – mitunter kleine – Ornamente.

Das wiederum ist einigen schon zu perfekt und zu fad – sie setzen als Gegenbewegung auf den „Ignorant Style“, der ebenfalls und besonders bei hippen jungen Menschen sehr angesagt ist. „Das kommt aus Russland und ist absichtlich schlecht gestochen.“

Das Arschgeweih kommt wieder

Wie bei klassischen Häfntätowierungen sind die Striche oft dick, auf Schattierungen wird gepfiffen. Ab und zu laufen die Farben aus oder die Motive sind einfach nur bewusst blöd oder ironisch gehalten. Manchmal wird da nicht einmal das Tattoo-Studio bemüht, die Träger bestellen sich eine Maschine und legen selbst Hand an. „Ich finde das positiv“, meint Keuschnigg mit einem Lächeln, „das sind unsere zukünftigen Kunden.“

Stefanie Keuschnigg im Tattoo-Studio Dunkelbunt im fünften Wiener Bezirk. Hier lässt sich die Mitte der Gesellschaft ein „Peckerl“ machen

©KURIER/Jeff Mangione

So genannte Cover-ups seien nämlich ein weiterer Trend, der hier im Studio mit sechs Künstlern bedient wird. Hier werden alte, unbeliebte „Peckerl“ überstochen. „Es sind immer noch Tribal-Ornamente – etwa Arschgeweihe – oder chinesische Schriftzeichen, die wegkommen sollen.“ Insofern schon interessant, weil bei anderen Menschen gerade die typischen Tribals aus den 90ern wieder der letzte Schrei sind. Nicht nur in der Haute, auch in der Haut Couture gilt: Vieles kommt wieder.

Wer die Bilder auf der Haut nicht mehr sehen kann und sie durch andere ersetzen will, muss dabei aber eines bedenken: „Ein Cover-up muss vier Mal so groß sein wie das zu überdeckende“, erklärt Keuschnigg. Und manchmal müsse man sich vorab auch etwas weglasern lassen. Auch immer öfter zu sehen sind schwarze, riesige Flecken. Das kommt meist vor, wenn man großflächige Tattoos überstechen will. „Mittlerweile gibt es schon Leute, die nichts zu überdecken haben.“

Aber die sind noch in der Minderheit, weil Filigranes ganz oben auf der Wunschliste der Kundinnen und Kunden steht. Viele würden sich von Bildern in den sozialen Medien inspirieren – Keuschnigg bevorzugt das Wort blenden – lassen. „Fineline ist großer Trend. Aber es ist leider oft nicht so umsetzbar, wie es sich die Menschen vorstellen. Man kann keine durchsichtigen Linien stechen und glauben, das bleibt so.“ Die Fotos im Internet seien nämlich gleich nach dem Tätowieren aufgenommen und würden auch noch bearbeitet. „Ich sage denen dann, dass ich das so nicht stechen kann. Ein Sonnenbrand – und das ist einfach weg.“ Sie schüttelt verständnislos den Kopf. „Ich würd gerne tätowiert sein, aber möchte das nicht sehen.“ Das spielt es bei ihr nicht.

Womöglich haben die Menschen wegen der Corona-Pandemie besonders viel Zeit gehabt, sich auf den Foto-Seiten herumzutreiben. Auf jeden Fall: „Nach dem ersten Lockdown, als die Studios im Mai 2020 wieder öffnen durften, gab es einen unglaublichen Boom“, sagt Petra Felber, Innungsmeisterin für Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure der Wirtschaftskammer Wien, zu der auch Tattoo-Artists gehören. „2017 waren es noch 150 Betriebe in Wien, nun sind es 201. Ein Drittel davon ist von Frauen“.

Viele Lehrerinnen

Und das in einer Branche, die früher als Bastion wilder Kerle gegolten hat. Viele kämen aus künstlerischen Bereichen, waren vorher Grafikerinnen oder Fotografinnen. Keuschnigg hat Gold- und Silberschmiedin gelernt. Und die Kundschaft? Die ist auch oft weiblich. Und aus der mittigsten Mitte der Gesellschaft. „Wir haben viele Lehrerinnen, Krankenschwestern, auch Polizistinnen und viele aus dem Sozialbereich.“

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich mit Reise, Kultur, Kulinarik und Lifestyle - also den schönen Dingen im Leben - befassen. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in der KURIER-Chronik, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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