Expertin erklärt, worauf es beim Sonnenschutz wirklich ankommt

Die ersten warmen Strahlen genossen, oft jedoch ohne Sonnencreme. Halbwahrheiten rund um Filter und Wirkstoffe verwirren zusätzlich.

Die Sonnencreme – für viele ein leidiges Thema, das meist mit einem schlechten Gewissen verbunden ist, weil nachlässig eingecremt oder ganz darauf vergessen wird. Eine aktuelle deutsche Umfrage zeigt, dass ein Drittel der Befragten nur im Urlaub oder im Freibad Sonnenschutz benutzt. Männer noch seltener als Frauen.

Die österreichische Dermatologin Tamara Kopp kennt das Problem, warnt neben bösartigen Melanomen aber auch vor Hautalterung und weißem Hautkrebs. „Sonne ist der Hauptfaktor für Falten und Altersflecken.“ Dennoch gilt der tägliche Schutz hierzulande noch immer als Ausnahme.

Und dann kursieren auch noch unzählige Mythen rund um Sonnencreme: Dass die chemischen Filter in konventionellen Produkten in den Körper gelangen und gesundheitsschädlich sind. Setzt man also lieber auf mineralische Filter, die einen weißen Film hinterlassen, aber gesünder sein sollen? Oder kann man die chemische Billigvariante aus dem Diskonter schmieren?

UV-Schäden in Kindheit und Jugend machen sich im Erwachsenenalter bemerkbar

©Getty Images/SolStock/iStockphoto

Auf moderne Filter achten

Dass der tatsächlich problematische Filter Octocrylen nicht enthalten sein soll, steht fest. Viele Anbieter werben inzwischen mit einem „Ohne Octocrylen“-Hinweis. „Das Thema ist sehr unübersichtlich. Ideal ist es, wenn man Produkte nach nicht empfehlenswerten Filtern auf der Inhaltsstoffeliste untersucht“, erklärt Kopp (siehe unten).

Ansonsten sind neue chemische Filter „gut und auf jeden Fall zu empfehlen. Mineralische trocknen oft aus, weißeln und gelangen, wenn sie Nanopartikel enthalten, vielleicht ebenfalls in den Körper.“

UVA-Schutz gegen Falten

Wer auf Anti-Aging setzt, solle neben UVB (Sonnenbrand und Melanome) auf genügend UVA Schutz durch moderne Filter achten.

UVA-Strahlen erzeugen neben Falten auch chronische Schädigungen, die für den weißen Hautkrebs verantwortlich sind.

Doch die beste Creme (die laut vielen Tests keine Preisfrage ist) nützt nichts, wenn sie nicht verwendet wird. „Den Schutz unbedingt in die tägliche Routine einbauen. Da haben es Frauen mit einem Lichtschutzfaktor in Tagescremen oft leichter. Männer können schnell einziehende Gels versuchen, wenn sie Cremen nicht gewohnt sind“, rät Kopp.

Im Zweifel gilt immer: Jeder Sonnenschutz ist besser als keiner.

Dermatologin Tamara Kopp

©Privat

Fakten und Inhaltsstoffe

Filter
Je weiter vorne ein Inhaltsstoff in der Bestandteil-Liste steht, desto mehr davon ist enthalten.

Für UVB wird unter anderem empfohlen: Diethylhexyl Butamido Triazone (Iscotrizinol), Phenylbenzimidazole Sulfonic Acid (Enzulisol), Drometrizole Trisiloxane DTS (Mexoryl XL) Bei UVA: Butyl Methoxydibenzoylmethane (Avobenzone), Diethylamino Hydroxybenzoyl Hexyl Benzoate (Uvinul A Plus)

Auch Cremen mit zusätzlichen Antioxidantien die in Vitamin C oder E enthalten sind, sind gut, um sich vor Strahlenschädigung zu schützen.

Finger weg
Nicht empfehlenswert sind die veralteten Filter Homosalate, verschiedene Benzophenone, Octocrylene und mineralische Filter mit Nanopartikeln


1.600 Personen erkranken in Österreich jährlich an schwarzem Hautkrebs. Die Zahl der in der Jugend durchgemachten Sonnenbrände hängt direkt mit dem Hautkrebsrisiko zusammen

 

Christina Michlits

Über Christina Michlits

Hat Theater-, Film- und Medienwissenschaften studiert. Nach Kennenlernen des Redaktionsalltags bei Profil und IQ Style, ging es unter anderem zu Volume und dem BKF. Seit 2010 bei KURIER für die Ressorts Lebensart und Freizeit tätig.

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