Paartherapie der anderen Art: Über das Verhältnis Therapeut - Klient

Sexuelle Gefühle kommen häufig vor, sie führen aber nur selten zu Beziehungen, zeigt eine belgische Studie.

Liebesbeziehungen sind nicht immer einfach; schon gar nicht, wenn sie in einem Abhängigkeitsverhältnis entstehen. Nun liegt eine belgische Studie vor, die die sexuellen Fantasien von Therapteutinnen bzw. Therapeuten und Klientinnen bzw. Klienten, deren romatische Gefühle und das tatsächliche Verhalten erhoben hat.

Tatsache empfinden viele Therapeuten gelegentlich sexuelle oder romantische Gefühle für ihre Klienten, aber nur ein kleiner Prozentsatz lässt ihnen auch Taten folgen. Zu diesem Schluss kommt eine anonyme Umfrage, an der lizenzierte Psychotherapeuten in Belgien teilnahmen, die Ergebnisse sind nun in Archives of Sexual Behavior veröffentlicht.

71 Prozent der Therapeuten gaben an, dass sie einen Klienten entweder manchmal oder regelmäßig sexuell attraktiv finden. Ungefähr 23 Prozent hatten Fantasien über eine romantische Beziehung und 27 Prozent über sexuelle Kontakte mit einem Patienten. Ebenfalls verbreitet waren freundschaftsbezogene Gefühle und Verhaltensweisen, wie die Annahme von Geschenken (80 Prozent) oder die Wahrnehmung, dass "ein Klient sich wie ein Freund fühlt" (72 Prozent).

Dennoch gingen nur sehr wenige Therapeuten tatsächlich eine sexuelle Beziehung ein (weniger als 1 von 30) - und in der Regel mit nur einem Klienten. Diese Raten sind mit anderen Studien vergleichbar.

Viel häufiger als sexuelle Gefühle waren der Aufbau einer Freundschaft mit einem Klienten, Annahme von Geschenken und Umarmungen zum Abschied.

Vertrautheit fördert Intimität

Als Gründe für die spezielle Beziehung wurden Einsamkeit und Einfühlungsvermögen genannt. Das Umfeld einer Therapiesitzung sei der Entwicklung von Intimität förderlich. Nicht zuletzt könnte auch Macht im Spiel sein. Die Studienautoren merken an: "Das Bedürfnis oder die Fähigkeit, zu dominieren und zu kontrollieren, kann in Fällen von sexuellem Missbrauch ebenfalls eine Rolle spielen. Studien zu geschlechtsspezifischen Unterschieden haben gezeigt, dass Männer insgesamt mehr Macht begehren und ein höheres Maß an Macht besitzen".

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