Warum der Brunnenmarkt Wiens beliebtester Markt ist

Rund 80.000 Menschen besuchen ihn wöchentlich. Was aber macht gerade ihn so besonders?

Auf seinem Pappteller ist nur noch ein Stück Brot und ein bisschen Senf zu sehen. Auch das Glas Bier ist nur noch zur Hälfte voll. „Ich wohne um die Ecke und bin fast jeden Tag hier“, sagt Alexander Veit, Stammgast beim 16er Altwiener Würstelstand am Brunnenmarkt. Zu Mittag ist hier schon einiges los.

Alexander Veit is(s)t fast täglich am Brunnenmarkt. 

©Kurier/Franz Gruber

Seit mehr als fünf Jahrzehnten gibt es den Stand bereits. Thomas Blaser, der heutige Betreiber, übernahm ihn vor 27 Jahren von seinem Vater. Mit Altwiener Gulasch, Pferdeleberkäse und Wurstsalat im Sortiment, ist der Stand eine echte Institution entlang der Brunnengasse.

Mit klassischen Gemüsehändlern und Fleischständen sowie syrischen Falafel-Imbissen, afghanischen Tandoori-Bäckereien oder einem Seifenladen lockt der Brunnenmarkt täglich Tausende nach Ottakring. Laut Erhebungen der Stadt sind es 79.873 Besucher in der Woche – damit ist der Brunnenmarkt seit Jahren der meistbesuchte Markts Wiens. Gefolgt vom Rochusmarkt (51.657 Besucher) und Naschmarkt (50.513 Besucher).

Thomas Blaser hat das Standl von seinem Vater übernommen. Das 16er Altwiener Würstelstandl gibt es seit mehr als 50 Jahren.

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„Ich hätte gedacht, das ist eher der Viktor-Adler Markt“, ist Blaser überrascht, als er erfährt, dass der Brunnenmarkt erneut der meistbesuchte in der Stadt ist. „Die letzten zwei Jahre waren hart. Laufkundschaft habe ich kaum noch. Und die Stammgäste – viele, die in Büros in der Gegend arbeiten – fielen durchs Homeoffice weg“, sagt der Standler. Auch über die zunehmend schwierige Parkplatzsituation klagt er. „Aber es soll jetzt nicht alles so negativ klingen. Hier läuft auch vieles sehr gut. Multikulti etwa, wird hier wirklich gelebt. Hier kommen alle zusammen und halten auch zusammen“, sagt Blaser .

Neben verschiedensten Gerüchen und Geschmäcken treffen am Brunnenmarkt verschiedenste Kulturen und Sprachen aufeinander. Am Brunnenmarkt kauft man nicht nur ein. Man erlebt hier auch etwas. Man erlebt Wien – und seinen gesellschaftlichen Wandel.

©Kurier/Franz Gruber

Eine kaiserliche Geschichte

Mit seinen 948 Metern ist er auch der längste Straßenmarkt Europas – und mit seiner Entstehung im Jahr 1786 wohl auch einer der ältesten. Der Brunnenmarkt bildete sich unter Kaiser Joseph II rund um einen Brunnen, der Wasser in die Hofburg führte. Um die 1830 weitete sich der kleine Markt von der Thaliastraße in Richtung Brunnengasse aus. 1880 musste zwar der Brunnen der neuen Pferdestraßenbahn weichen. „Der Markt blieb aber bestehen“, erzählt Martin Novak vom Marktamt. Heute erstreckt sich der Brunnenmarkt bis zum Yppenplatz und verschmilzt auch mit dem Yppenmarkt. Dort findet jeden Samstag ein Bauernmarkt statt. Die Brunnenpassage sowie zahlreiche Lokale sind dort auch zuhause. „Bei Jung und Alt ein beliebter Treffpunkt und Ort kultureller Begegnungen“, so Nowak.

Von Standlern des Brunnenmarkts heißt es aber auch: Oben ist die hippe Gegend. Bei uns ist es noch bodenständig.

„Ich hätte gedacht, das ist eher der Viktor-Adler Markt“, ist Blaser überrascht, als er erfährt, dass der Brunnenmarkt erneut der meistbesuchte in der Stadt ist. „Die letzten zwei Jahre waren hart. Laufkundschaft habe ich kaum noch. Und die Stammgäste – viele, die in Büros in der Gegend arbeiten – fielen durchs Homeoffice weg“, sagt der Standler.  Auch über die zunehmend schwierige Parkplatzsituation klagt er. „Aber es soll jetzt nicht alles so negativ klingen. Hier läuft auch vieles sehr gut. Multikulti etwa, wird hier wirklich gelebt. Hier kommen alle zusammen und halten auch zusammen“, sagt Blaser .

Neben verschiedensten Gerüchen und Geschmäcken treffen am Brunnenmarkt verschiedenste Kulturen und Sprachen aufeinander. Am Brunnenmarkt kauft man nicht nur ein. Man erlebt hier auch etwas. Man erlebt Wien  – und seinen gesellschaftlichen Wandel. 

Ständig im Wandel

„Früher waren hier hauptsächlich österreichische Stände. Dann waren es Weißrussen und Menschen vom Balkan. Dann kamen viele Türken. Gerade gibt es viele syrische und afghanische Stände. Bekommen hat man hier schon immer alles“, erzählt Eduard Aulov.

Seit 1995 betreibt er einen Stand. Heutzutage verkauft Aulov Kleidung und Schuhe. „Aber ich habe vieles verkauft. Ich gehe mit der Zeit“, sagt der gebürtige Russe, der in Israel aufgewachsen ist und dessen Vater schon einen Stand hier betrieb.

Eduard Aulov betreibt seit 1995 einen Stand.

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„Alle 15 Jahre gibt es hier mal einen Wandel“, sagt Azmi Ersoy. Der gebürtige Türkei betreibt seit 2002 seinen eigenen Stand. Variationen von Käse, verschiedenste Sorten von Oliven und alle erdenklichen Trockenfrüchte bekommt man bei ihm. „Der Vorteil hier ist, dass es nicht so touristisch ist wie zum Beispiel am Naschmarkt. Hier kaufen die Leute wirklich ein und gehen mit vollen Sackerln heim“, sagt er.

Azmi Ersoy betreibt seit 2002 seinen eigenen Stand.

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Für viele ein Neubeginn

Bei manchen wird es auch ein voller Magen sein. „Hier, kosten Sie“, besteht Abo Alnoor (besser bekannt als „Dr. Falafel“) darauf, dass man seine Falafel und den Hummus probiert. „Alles frisch und hausgemacht“, betont er. Seit acht Jahren lebt er in Österreich. Seit sechs Jahren betreibt einen Stand. „Viele von uns konnten hier neu starten“, so Alnoor. Zuvor war die syrische Stadt Damaskus sein Zuhause.

Kultig: „Dr. Falafel“ bereitet alles frisch und selber zu 

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Am Brunnenmarkt gibt es einige mit ähnlicher Geschichte. Die Geschichte vom Neubeginn am Brunnenmarkt. Doch traurige Schicksale, oder gar ein Krieg, der für diese sorgte, wirken bei „Dr. Falafel“ sehr weit weg. Hier sieht man vorallem Menschen, die leidenschaftlich bei der Arbeit sind. Und zufriedene Kunden.

Naz Kücüktekin

Über Naz Kücüktekin

Im Juni 2021 zu Kurier und "Mehr Platz" dazugestoßen. Davor: Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie journalistische Tätigkeit für diverse Medien (profil, biber, Wiener Bezirkszeitung) Kritik oder Anregungen gerne an [email protected]

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