Einfach kompliziert: Wie beeinflusst das Klima die Wein-Qualität?

Der Mensch neigt dazu, komplexe Tatsachen auf ein für ihn verständliches Maß einzustampfen.

So nahmen viele bis vor einiger Zeit an, aus den heißesten Regionen kämen die tollsten Weine. „Viel Sonne ist gleich viel Geschmack“ lautete die simple Formel. Als ein Teil der Menschheit genug hatte von den schweren Geräten, wollte jeder gewusst haben, dass nur „Cool Climate“ Weine etwas taugen. Und nun stellt sich heraus, dass auch aus heißen Gebieten große Gewächse kommen können. Ja was denn nun, fragen sich Ilse und Otto Normaltrinker. Ein Wein ist halt nur so gut wie der Winzer. So einfach – so kompliziert. Nehmen wir die Anbauregion Etna im heißen Sizilien: Bis vor  fünfzehn Jahren beförderte man die Weine direttissima gen Norden, um edle Gewächse aufzufetten – Kenner hingegen rümpften die Nase vor Nerello Mascalese, wie die autochthone rote Sorte vom Ätna heißt. Nun gilt er gar als so edel wie Pinot Noir oder Nebbiolo und jeder will  Weine vom Vulkan.

Ein Wein ist halt nur so gut wie der Winzer. So einfach – so kompliziert.

Tatsächlich ist die Region Etna ein  aufregendes Terroir: Der Boden ein komplexes Gemisch aus verwitterter Lava und Sedimenten, reich an Mineralien. Über hundert Jahre alte Rebstöcke, wurzelecht, noch aus der Zeit vor der Reblausplage – Weinberge, die oft bis zu tausend Meter hoch liegen und nicht mit Pestiziden kontaminiert wurden und ein Klima, das tagsüber glutheiß ist, aber nachts markant abkühlt. Es gibt fantastische Weine von dort, aber ebensoviele schlichte Gemüter. Einfach kompliziert eben.      

Mehr über Wein lernen?

Der Steirereck-Sommelier René Antrag zeigt, wie man in 10 Video-Lessons zum Weinkenner wird. Hier geht's zur Wein-Academy

Christina  Fieber

Über Christina Fieber

Christina Fieber kommt aus Salzburg und arbeitet als freie Weinjournalistin in Wien.

Kommentare