Warum Honigsüße die beste Süße zum Backen ist

von Nicole Ott

Ob Stadt- oder Waldhonig, er versüßt uns den Kuchen und das Leben im Winter.

Das ist die stillste Zeit im Jahr – nie war dies stimmiger als heuer. Backen beruhigt meine Nerven ungemein. Und so stapeln sich die Keksdosen, die mit den Lieblingssorten der Kinder gefüllt sind. Die Wohnung ist weihnachtlich geschmückt und die dritte Kerze des Adventkranzes wartet bienenwachsduftend darauf, entzündet zu werden. Da fällt mein Blick auf die honiggelben Kerzen, die ich beim Imker, der jeden Samstag am Bauernmarkt sein Tischerl aufstellt, erstanden habe. Selten kann ich widerstehen, ihm ein Glas Honig abzukaufen und ihm zuzuhören, wenn er den Kundinnen von seinen Bienen erzählt.

So erfahren wir, dass die Menschen seit der Steinzeit schon Honig als Nahrungsmittel nützen und auch als Köder für die Bärenjagd verwendet haben. 7000 Jahre vor Christus begann die Hausbienenhaltung, im alten Ägypten war Honig die „Speise der Götter“ und eine Quelle der Unsterblichkeit. Immer schon fasziniert mich die Arbeitsteilung der Bienen, die als Sammelbienen ausschwärmen, um die besten Blüten ausfindig zu machen. Dann fliegen sie zum Stock und erzählen ihren Schwestern tanzend, in welcher Richtung sich die fette Beute befindet. In den vergangenen Jahren ist es in Städten in Mode gekommen, Stadtbienen zu halten, die in den Gärten und auch hoch über den Dächern den Nektar von den Blüten sammeln. Für mich mit meiner Honigschwäche ist es schwierig, nicht bei jedem Konzerthausbesuch ein Gläschen des dortigen Honigs mitzunehmen. Auch beim Wandern hat mir der Liebste schon des Öfteren ein, zwei Gläser Honig im Rucksack nach Hause getragen, die harte Arbeit der leidenschaftlichen Imkerinnen will doch unterstützt werden!

Eine Frage des NektarsZurück in die Küche. Ein Löfferl Honig rundet bei mir jede Suppe geschmacklich ab und gibt, gerne in Kombination mit frisch gemahlenem Pfeffer, erdigen Gemüsesorten wie Karotten oder Roten Rüben Glanz und verstärkt das Aroma. Da fallen mir die vielen Eiklar ein, die mir vom Keksbacken übrig geblieben sind, ich will sie zu einem Weihnachtskuchen verarbeiten. Jetzt habe ich Lust auf Honig bekommen, stellt sich nur die Frage, nehme ich den flachsgelben Frühlingshonig oder lieber den dottergelben der Sommerblüten? Lebkuchengewürz passt wie der Tannenduft zum Lichterglanz, ein paar ganze Haselnüsse geben Knusperfreude, da lachen mich noch Trockenfrüchte an. Schnell ist ein Kompott gerührt, das versüßt uns morgen auch noch das Frühstück.

Als der Honig goldglänzend über den fertigen Kuchen tropft, denke ich an die Zeiten, als Honig noch das einzige, begehrte Süßungsmittel war und bin mir wieder einmal bewusst, wie gut wir es heute haben. Der Liebste steckt seinen Kopf zur Tür herein und lacht mich an: „Von drauß' vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, hier duftet es sehr!“

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