Köstlich, aber vergriffen: Heimische Maroni

von Anna Perazzolo

Nischenprodukt: Nur 20 Prozent der konsumierten Kastanien sind österreichisch. Die Nachfrage ist aber riesig.

Obwohl die Maroni-Zeit  gerade erst begonnen hat, ist die Ernte für  dieses Jahr bereits abgeschlossen. Von Mitte September bis Mitte Oktober hat der steirische Maroni-Bauer Michael Thünauer die Früchte aus ihrer stacheligen Schale geholt.

Seit 2015 bewirtschaftet er gemeinsam mit seinem Vater den Bio Kastanienhof in Sankt Johann im Saggautal (Bezirk Leibniz). „Mein Vater hat früher Maronibäume für eine Weinbauschule gepflanzt und betreut. Nachdem er in Pension gegangen ist, haben wir uns entschieden, landwirtschaftliche Flächen zu pachten, um eine private Plantage anzulegen.“ 

 

Maroni-Fakten

Konsum
Drei Millionen Kilo Maroni werden jährlich in Österreich konsumiert. 2,5 Millionen davon werden importiert. 90 Prozent der Importe kommen aus Italien

135,5 Hektar
betrug 2020 die Anbaufläche für Maroni in Österreich

Mittlerweile bewirtschaftet er 300 Bäume auf 1,5 Hektar Fläche. Damit ist er einer der insgesamt 209 Maroni-Bauern österreichweit. Sie verbindet aber mehr als nur die Maroni-Produktion: Im ganzen Land gibt es nicht einen Bauern, der Kastanien im Haupterwerb anbaut. Auch Thünauer lebt nicht ausschließlich von seinem Kastanienhof, sondern arbeitet in der Kläranlage seiner Heimatgemeinde. 

Regionalität im Trend

Und das, obwohl die Nachfrage nach heimischen Maroni immer weiter steigt. Auf Thünauers Plantage fallen jährlich 100 bis 200 Kilo Ertrag an. Das sei aber bei Weitem zu wenig, sagt der Maroni-Bauer. „Der Zulauf auf regionale Edelkastanien ist gigantisch. Ich könnte einige tausend Kilo haben, das wäre immer noch zu wenig.“ 

Rasch ausverkauft

Nach dem Ernten stellt der Bauer seine Maroni im Onlineshop zur Verfügung. „Meistens sind sie kurz darauf vergriffen.“ So dürfte es mehreren heimischen Maroni-Bauern ergehen. Immer wieder liest man auf deren Websites, dass die Ernte bereits ausverkauft sei – mit dem Hinweis auf mögliche Reservierungen für das nächste Jahr.

Die Nachfrage

Gründe, warum die Nachfrage nach heimischen Maroni größer ist als das Angebot, gibt es zahlreiche. Zum einen ist die Anbaufläche sehr klein. Nur  135,5 Hektar wurden  2020  bewirtschaftet. Zum anderen braucht der Maroni-Anbau  viel Zeit. „Es ist eine Sache von Generationen. Es dauert 20 Jahre, bis die Bäume ordentlichen Ertrag abwerfen“, so Thünauer. 

Der Feind

Noch dazu haben die Bäume einen Feind: den Kastanienrindenkrebs.  Die aus Ostasien eingeschleppte Pilzkrankheit hat  den Bestand in den 1960er-Jahren deutlich dezimiert. Vor allem  befallene Jungbäume sterben häufig. „Bei älteren Bäumen kann man versuchen, die Krankheit auszuschneiden. Aber auch das ist keine Garantie, dass der Baum überlebt“, sagt der Bauer.

Der Verein „ARGE Zukunft Edelkastanie“ forscht unter anderem an resistenten Bäumen. Mit  hypovirulenten Pilz-Stämmen steht mittlerweile eine wirksame Behandlungsmethode zur Verfügung. Und auch  Thünauer selbst kümmert sich in seiner Kastanien-Baumschule um den Fortbestand der Pflanze. „Ich veredle unsere Bäumchen selbst.“

80 Prozent Importe

Laut  Landwirtschaftsministerium geht man in   der Steiermark  in zehn Jahren  von einem  Ertragspotenzial von 400 Tonnen aus. Bis dahin werden aber auch weiterhin nicht  alle Anfragen bearbeitet werden können. „Ich werde regelmäßig von Großhändlern oder Maroni-Brätern kontaktiert. Bisher habe ich sie aber noch nie bedienen können“, sagt Thünauer.

Italien als Importland

Woher kommen dann aber die Maroni, die am Weihnachtsmarkt in unseren Stanitzeln landen? Österreich konsumiert pro Jahr drei Millionen Kilo Edelkastanien. Mehr als 80 Prozent, also rund 2,5 Millionen Kilo davon, werden importiert. Die mit Abstand meisten Importe, knapp 90 Prozent, stammen aus Italien.

Aber auch spanische, portugiesische und französische Maroni landen in unserem Stanitzel. Und obwohl der Andrang auf heimische Maroni riesig ist, wird sich die Herkunft der gekauften Maroni so schnell nicht ändern. „Der Markt für österreichische Maroni-Bauern ist noch groß“, erklärt  Thünauer.

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