Der Überschmecker: Wenn künstliche Intelligenz Wein verkostet

Ob der Wein tatsächlich auch schmeckt?

Es hat nicht lange gedauert. Vor einigen Wochen noch staunte man über die wundersamen Fähigkeiten von ChatGPT, das glanzvoll die theoretische Prüfung zum Master-Sommelier bestand. Die Vorstellung, Künstliche Intelligenz könne auch tatsächlich Wein verkosten, schien da noch ferne Utopie. Nun präsentierte IBM eine Art digitale Zunge, die erkennt, um welchen Wein es sich handelt und wie er beschaffen ist.

Mit speziellen Sensoren analysiert "Hypertaste" seinen chemischen Fingerabdruck. Ein Prozedere, das an Sinnlichkeit kaum zu übertreffen ist. Man stelle sich ein Dinner in einem netten Restaurant vor: Kaum ist der Kostschluck eingeschenkt, kramt man aus dem Handtäschchen die glücklicherweise handliche digitale Zunge hervor und taucht die Sensoren in das Weinglas, um Zucker, Säure- und Alkoholwerte zu bestimmen.

Nach nur wenigen Sekunden berichtet Hypertaste beflissen, dass es sich um einen 2014er Kallstadter Saumagen aus der Pfalz handelt, der sich durch mittelreifes Aprikosenaroma mit Anklängen von Kokos, gut eingebundener Säure und mittellangem Abgang auszeichnet – zwar befände er sich am Beginn seiner Trinkreife, könne aber auch noch gut und gerne 48 Monate in einem perfekt temperierten Keller reifen. Ob einem der Wein auch schmeckt, weiß man dann zwar nicht, aber das tut ohnehin nichts mehr zur Sache.

Christina Fieber kommt aus Salzburg und arbeitet als freie Weinjournalistin in Wien.

Christina  Fieber

Über Christina Fieber

Christina Fieber kommt aus Salzburg und arbeitet als freie Weinjournalistin in Wien.

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