Rühren, Shaken, Einschenken

Barkeeper Simon bringt die Welt ins Cocktailglas

Mehr als achtzig Länder hat der gebürtige Rothenburger bereist. Er hat in Bars im Libanon, in Mexiko und Weißrussland gemixt und internationale Wettbewerbe gewonnen.

Bei Simon Kistenfeger wirkt alles so einfach. Das Rühren, Shaken, Einschenken. Und fertig! Mahatma Gandhi und Bob Marley lächeln zufrieden von den Fotos an der Fliesenwand. Nur Frida Kahlo schaut ernst, ihr Bezug zu Alkohol war ein schwieriger. Simon vereint das Gute aus allen Welten – und das mitten in Rothenburg ob der Tauber. Wer die mittelalterliche Stadt im Norden Bayerns mit seinen märchenhaften Fachwerkhäusern und der intakten Stadtmauer nicht kennt – es ist der Inbegriff deutscher Beschaulichkeit im positiven Sinne.

Aber – und da kommt der Barkeeper mit rotem Vollbart und Zopf ins Spiel – „wir haben in unserer tollen Stadt viele internationale Touristen und Einheimische, die sich ein wenig Abwechslung vom Mittelalter wünschen.“ Und die liefert Simon, zentiliterweise. Mehr als achtzig Länder hat der Bartender mittlerweile bereist, in Australien, Kolumbien und Norwegen war er auch fest angestellt. Er hat in bekannten Bars im Libanon, in Mexiko und Weißrussland gemixt und mehrere internationale Wettbewerbe gewonnen. Der gebürtige Rothenburger ist im besten Sinn cosmopolitain, ein Weltbürger.

Zurück in der Heimat hat er vor wenigen Jahren mitten in der Altstadt und doch ein wenig versteckt die Bar „Mucho Amor“ eröffnet, zum Marktplatz ist es nur ein Katzensprung. Hier vereint er die Erfahrungen seiner Reisen im Cocktailglas. „Gastfreundschaft ist mir wichtig und der Wissensdurst für hiesige Früchte, Kräuter und Gemüse, die ich in meinen Drinks integriere.“ Dazu verwendet er Zutaten aus Mutters Garten und der Region. „Das ist immer saisonal. Derzeit gibt es Gänseblümchen, Johannisbeeren, Kirschen, Minze und viele Kräuter“.

Top 3

Die Mittelalterstadt
Rothenburg ob der Tauber ist für seine Fachwerkhäuser und die gut erhaltenen Stadtmauern bekannt

Die Cocktailbar
„Mucho Amor“ (Kapellenplatz 5) von Simon Kistenfeger bietet öfters auch Livemusik, geöffnet Do.–So. abends

Die Anreise
per Zug (Umstiege in Würzburg und Steinach) dauert 5:38 Std., Tipp: Reise mit Bamberg, Nürnberg oder Bayreuth verbinden

Einer seiner Signature Drinks ist der Bavarian Sour. „Dieser besteht aus Williamsbirne, hausgemachtem Mirabellenlikör, zitronigem Biersirup, Zitronensaft und Aquafaba (Kichererbsen-Wasser) – das macht den Drink schön sämig und simuliert eine Bierhaube.“ Der Cocktail wird mit einem Mini-Salzbrezel serviert. Schließlich sind wir ja in Bayern.

Im Mucho Amor treten auch regelmäßig Musiker auf, zudem bietet Simon Cocktail-Kurse an. Was trinken wir in der Zukunft? „Aktuell sehe ich viele Drinks mit weniger oder ohne Alkohol (Low- and No-Alcohol-Cocktails) auf dem Vormarsch.“ Und er hat schon viele Angebote bekommen, eine Bar mit ähnlichem Konzept im Ausland zu eröffnen, etwa in den Städten Lima, London und Linz.

Stefan Hofer

Über Stefan Hofer

Stefan Hofer ist seit 2009 beim KURIER. Schreibt für das Ressort Reise.

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