Die "Augenweide" in Wien eröffnet: Gut durchdachte Reizüberflutung

Philipp Prascer eröffnet beim Donaukanal sein neues Lokal „Augenweide“. Es gibt Steaks, Pasta und Sushi. Mit dem ungewöhnlichen „Crossover“ will er ein allseits bekanntes Problem lösen.

Böse Zungen könnten behaupten, Philipp Prascer habe für sein neues Lokal – es ist bereits sein neuntes – kein richtiges Konzept mehr gefunden.

Wenn die „Augenweide“ heute, Donnerstag, eröffnet, dann findet sich auf der Karte die überraschend eigentümliche Kombination aus feinsten Dry-Aged-Steaks, extravagantem Sushi – und traditioneller Pasta. Auch optisch herrscht im neuen Lokal an der Oberen Donaustraße kuratierte Reizüberflutung.

Der schlauchartige Gastraum ist in rotes, pinkes, blaues und grünes Licht getaucht, an der Wand finden sich Mangas, einige Gäste dürfen auf alten Friseurstühlen sitzen.

Manga-Motive auf der Steinmauer

©Colin Michel/cyruzmedia.com

Der Vorwurf der Konzeptlosigkeit, der stimmt freilich nicht. Ganz im Gegenteil. Das Lokal ist vielmehr einer Idee entsprungen, die herrlich aus dem Leben gegriffen ist: „Jeder kennt die Diskussionen aus dem Freundeskreis oder in der Familie. Der eine will ein Steak, der andere lieber zum Japaner“, sagt Prascer im KURIER-Gespräch. „Jetzt gibt es die Lösung: Man kommt einfach zu uns.“

Bei seinem neuen „Crossover-Lokal“ – so der Fachausdruck – spart Prascer nicht mit Superlativen. Für das Fleisch zeichnet „Steak-Ikone“ Steven Pegg verantwortlich, der schon im Ritz Carlton, auf Kreuzfahrt und in Spanien aufkochte.

Sein Grill (gleich nebenan: ein gläserner, beleuchteter, begehbarer Dry-Ager) thront genau im Zentrum des Lokals.

Damit es nicht fad wird

Am einen Ende des Lokals befindet sich die Bar, am anderen Ende werden Sushi und Maki zubereitet. Und zwar ebenfalls von einem, der es kann: Walter Sidoravicius hat sein Handwerk in Japan gelernt, üblicherweise findet man ihn in seinem Beach Club auf Ibiza. „Er bringt Sushi in einer Qualität nach Wien, die es in dieser Form bisher in der Stadt nicht gibt“, sagt Prascer.

Zwischen den drei Stationen Bar, Grill und Sushi-Theke liegen mehr als 50 Meter und unfassbar viel spannendes Mobiliar. „Da wird einem beim Schauen nicht fad“, sagt Prascer. „Zu uns kann man dreimal pro Woche kommen und jedes Mal in anderem Ambiente essen.“ Die Kellner eilen zwischen den Bereichen hin und her. Denn serviert wird hier alles überall.

Die Glasfront ist eines der Highlights

©Kurier/Gerhard Deutsch

Ein Highlight: Über die gesamte Länge des Restaurants zieht sich eine Glasfront. Da kann man nicht nur gut hinein-, sondern auch hinausschauen. Auf die vorbeifahrenden Autos etwa, das ist herrlich urban. Oder auf das „Motto am Fluss“, das genau gegenüber auf der anderen Seite des Donaukanals situiert ist. (Die „Spelunke“ wiederum ist nebenan.)

Somit gibt es „im ganzen Lokal ausschließlich gute Plätze“, sagt Prascer. Wieder ein Superlativ. Aber er hat recht.

So viel zum Interieur. Doch was ist nun mit der Küche? „Ihr Gaumen wird Augen machen“ lautet der Slogan des Lokals. Ein Versprechen, das an den ersten Tagen des Probebetriebs bereits gut eingelöst wird.

Die Auswahl an Steaks ist groß.

©Colin Michel/cyruzmedia.com

Die Karte ist gespickt mit spannenden Gerichten. Die Auswahl an Steaks ist groß und reicht vom Tomahawk mit 1,2 Kilo über Wagyu Rumpsteak bis zum Filet Ladycut. Das Filet kostet faire 28 Euro, der Kellner empfiehlt dazu Aioli (gut) und Erdäpfelpüree. (Letzteres ist nicht so cremig, wie man es aus der gehobenen Gastro gewohnt ist – sondern ein bisschen stückelig wie bei Oma. Kein Fehler.) Angerichtet wird auf Holzbrettern. (Freilich, auch Burger gibt es. Mutiger wäre ohne gewesen.)

Die Auswahl an Nigiri, Sashimi und Maki kann sich sehen lassen. Vier Lachs-Sashimi gibt es schon ab 6 Euro. Acht Hamachi-Maki-Rolls mit Gelbschwanz, Avocado, Yuzu und japanischem Pflaumengel kosten 14 Euro.

Und die Pasta? Man serviert Trenette – schmale, viereckige Spaghetti –, etwa als Ur-Carbonara (16 Euro) oder in einer Krabben-Prosecco-Zitronen-Sauce (18 Euro).

Bald auch Frühstück

Coronabedingt öffnet die „Augenweide“ vorerst um 16 Uhr, später einmal soll es auch Frühstück geben. Eggs Benedict serviert man um 10 Euro, Omelette um 9 Euro. Und statt „Ham & Eggs“ offeriert der Küchenchef „Steak & Eggs“: Das 100-Gramm-Filet mit einer Thymian-Polenta und Spiegeleiern gibt es um 18 Euro. Das Brot stammt vom Öfferl, der Käsegruß vom Naschmarkt.

Ansprechen will Prascer, der mit seiner Litus-Group unter anderem die „Blumenwiese“ am Donaukanal und die „Stadt.Allee“ auf der Mahü betreibt, mit der „Augenweide“ den „herzhaften Wiener, der fleißig arbeitet und daher auch genießen will“. Heißt: „Die obere Mittelschicht.“

Dass das Lokal jetzt, in der Krise, eröffnet, solle auch ein Signal sein, sagt er: „Wir wollen wieder Bewegung reinbringen, das tut den Köpfen gut.“ Erster Eindruck: Klappt.

Christoph Schwarz

Über Christoph Schwarz

Teamleiter Chronik Wien. Seit 20 Jahren als Journalist und Pressesprecher in der Medienbranche tätig, seit 2018 beim KURIER.

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