Kritik

Hochmair: Wenn Klassiker einfach perfekt gerockt werden

Philipp Hochmair im Wiener Burgtheater mit Friedrich Schiller

Mit „Jedermann Reloaded“ hat er Hugo von Hofmannsthal ins 21. Jahrhundert geholt. Dass er auch den originalen „Jedermann“ beherrscht, hat er als Einspringer bei den Salzburger Festspielen grandios bewiesen.

Auch Friedrich Schiller kommt dank Philipp Hochmair grandios im Heute an.

Denn: Balladen – wie fad oder wie pädagogisch wertvoll klingt das denn? Gar nicht! Mit seiner exzellenten Band „Die Elektrohand Gottes“ macht der Schauspieler Hochmair einen Schiller zu einem Rave-Event, zu einem Pop-Rock-Konzert, das im Wiener Burgtheater zurecht frenetisch bejubelt wurde.

Denn Hochmair arbeitet sich an Schiller im wahrsten Sinne des Wortes ab. Als Bauarbeiter mit Helm, Mikrofon und Megafon kommen da „Der Ring des Polykrates“, „Die Bürgschaft“, „Der Handschuh“, „Der Taucher“, außerdem (gut eingeschmuggelt) Goethes „Erlkönig“ zu ihrem dramatischen Recht.

Hochmair kreiert hier fabulöse Monodramen, die in seiner Deklamation fast zu Action-Filmen im Kopf werden. Wie oft muss der „Held“ im „Handschuh“ noch in den Ring, um gegen wilde Tiere zu kämpfen, um so die Gunst einer Dame zu erringen?

Wie oft muss sich der „Taucher“ auf des Herrschers Geheiß in de Fluten stürzen, ehe der Tod eintritt?

Hochmair und seine Musiker zelebrieren den klassischen Kanon, um ihn postwendend aus der Klassik herauszulösen. Und Schillers „Die Glocke“? Sie ist der absolute Höhepunkt einer vokalen wie auch emotionalen Tour de Force und erinnert in Hochmairs brillantem Vortrag an die ganz großen Dramen der Weltliteratur.

Wer nicht live dabei sein konnte, sei auf die CD „Schiller Rave“ verwiesen. Und für Schulklassen wäre diese Aufführung ein probates Mittel, um jede Angst vor den Klassikern abzulegen.

Peter Jarolin

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