Zum Haustier gemacht: Wildfänge sollten ins Freie dürfen.

Tiercoach: Spezielles Futter gibt Katzenallergikern Hoffnung

Ein Antikörper auf den Kroketten reduziert die Belastung im Speichel des Haustiers. Auch andere Maßnahmen helfen.

Katzen sind überaus reinliche Tiere. Sie verbringen bis zu fünf Stunden am Tag damit, sich zu putzen. Mit den Zähnen lösen sie verfilzte Knoten; mit der rauen Zunge schlecken sie lose Haare aus dem Fell. Und genau damit beginnt oft das Problem für Allergiker.

Protein im Speichel stresst das Immunsystem

Katzenspeichel gehören weltweit zu den häufigsten Auslösern von allergischen Reaktionen bei Menschen. Verantwortlich dafür ist meist das Protein Fel d1, das nach dem Schlecken auf dem Fell bzw. den Haaren klebt, und das Immunsystem sensibler Patienten überlastet.

Seit Jahren arbeiten Forscher daran, die Produktion der Antikörper gegen das Sekretglobulin der Katzen zu hemmen. Jetzt scheint Erfolg in Sicht. In der Humanmedizin soll demnächst die therapeutische Gabe von Antikörpern in die abschließende Testphase 3 gehen, berichtet das deutsche Universitätsklinikum Münster. In der Haustierhaltung drängt aktuell Trockenfutter auf den Markt, das die Allergene im Speichel der Katze reduzieren will.

Spezielles Trockenfutter soll Allergene neutralisieren

„Der Antikörper ist als eine Art Beschichtung auf den Kroketten des Futters und entfaltet seine Wirkung, sobald die Katze diese zerkaut“, beschreibt der Hersteller das Konzept und präsentiert eine Studie. Ihr zufolge reduzierte sich die Konzentration des primären Allergens auf Katzenhaaren und Schuppen bei täglicher Hauptmahlzeit bereits ab der dritten Woche um durchschnittlich 47 Prozent, die Betroffenen spürten eine Verbesserung der Symptome.

Katzen sind gut für die Gesundheit

„Ob Placebo oder Wirkung – als starker Allergiker würde ich mich nicht aufs Futter für meinen Liebling verlassen, aber ich würde es auf jeden Fall probieren“, sagt Zoodoc Katharina Reitl. Denn Katzen sind wunderbare Haustiere. Sie können die Gesundheit des Halters auch positiv beeinflussen. Streicheln beruhigt nachgewiesener Maßen den Herzschlag, die Mensch-Tierbeziehung tut der Psyche gut. Sich wegen einer Allergie von der Katze trennen zu müssen, kann extrem belastend sein.

Reptilien als Alternative zum Kuscheltier

„Man kann natürlich auf andere Tierarten ausweichen“, sagt die Tierärztin aus der Ordination Tiergarten Schönbrunn. Reptilien, Schildkröten oder Fische haben durchaus ihre Reize, adäquater Ersatz für Vierbeiner mit Fell sind sie jedoch kaum. Vögel kommen für Allergiker selten in Frage, da der Federstaub ebenfalls die Atemwege reizen kann. Nicht jeder hat die Möglichkeit, die Überflieger in einer Außenvoliere unterzubringen. Genauso wenig sollten Nacktkatzen eine Alternative zum Kuscheltier sein; es grenzt an Quälerei, sie ohne Schutz der Sonne und Verletzungsgefahren auszusetzen.

Kein Wundermittel, aber ein Lösungsversuch

„Futter, das Fel d1 neutralisiert, ist sicher ein besserer Lösungsversuch, als die Gene der Katzen zu manipulieren“, schließt KURIER-Tiercoach Katharina Reitl: „Wunder sollte man sich nicht erwarten, ausschließen sollte man sie aber auch nicht.“

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Hedwig Derka

Über Hedwig Derka

Hedwig Derka, geboren 1966 in Wien, seit 1996 Redakteurin beim KURIER. Spezialgebiet: Tiere. Lieblingsthemen: Wissenschaft und nutzloses Wissen. Lieblingsbeschäftigung außer Dienst: Meine kleine und große Familie. Noch Fragen? Interessante Geschichten? Nutzloses Wissen? eMail an mich: [email protected]

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