Kiribati Südsee Urlaub

Darum feiert die Südsee-Insel Kiribati als Erstes ins neue Jahr

Daniel Voglhuber

von Daniel Voglhuber

Die erste Adresse zu Silvester: Wegen eines Versprechens im Präsidentschaftswahlkampf knallen hier zuerst die Korken.

Überblick

Anreisezeit

mind. 30 bis 50 Stunden

Einwohner

Ca. 120.000

Währung

Kiribati-Dollar oder Australische Dollar

Hauptstadt

Tarawa

Touristeninformation

Kiribatitourism

Wer in Kiribati am Strand liegt und auf den Pazifischen Ozean blickt, wünscht sich wohl, dass einfach nur die Uhr stillsteht. Ein türkis-blaues Meer, eine badewannenwarme Wassertemperatur, ein grüner Landstreifen mit im Wind wehenden Palmen, weißer Sand, prächtige Korallenriffe vor der Nase. Und kaum eine Menschenseele weit und breit. Auf einer Meeresfläche von 5,2 Millionen Quadratkilometern liegen 33 idyllische Atolle in Polynesien und Mikronesien, die aussehen, wie ein tropisches Paradies eben aussehen soll. Und sie formen den größten Staat, der nur aus Atollen besteht.

Während die einen die Zeit anhalten wollen, haben die Regierenden der Südsee-Republik zwischen Australien und Hawaii diese sogar zurückgedreht – und ab 1995 die Datumslinie dezent ausgehebelt. Damit waren die Inselbewohner die Ersten weltweit, die das neue Millennium feiern durften. Zuvor lag ein Teil des Landes westlich, der andere östlich der „International Dateline“. Wer von Westen nach Osten über die Datumsgrenze gereist war, war also plötzlich im Gestern. Präsidentschaftskandidat Teburoro Tito versprach im Wahlkampf, den Zeiten-Fleckerlteppich zu beseitigen. Er gewann, der ganze Staat nahm die Zeitzone der westlichen Landesteile an und war plötzlich im weltweiten Jahreswechsel-Rennen führend.

Kiribati hat die International Dateline, die Datumsgrenze, ausgehebelt

©Grafik

Das Ganze hätte rein gar nichts mit dem neuen Jahrtausend, viel PR und daher vielen Touristen zu tun, beteuerte damals Präsident Tito. Das wäre lediglich von verwaltungstechnischer Natur.

Millennium-Island

Nichtsdestotrotz änderte die Regierung den Namen seines östlichsten Eilands von Karolinen-Insel auf Millennium-Island. Immerhin war es der erste Platz der Welt, wo im Jahr 2000 die Sonne aufging. Es folgten diplomatische Verstimmungen mit anderen Südsee-Staaten – etwa Fidschi. „Mehr als 180 Grad geht nicht, und mehr als zwölf Stunden vor Greenwich geht auch nicht“, erklärte Fidschis früherer Regierungschef Sitiveni Rabuka laut Spiegel damals. Der Staatschef reagierte seinerseits mit einem Millennium-Denkmal auf diesem 180. Längengrad.

Eine Hütte für Rettungsschwimmer auf der Insel Teaoraerke. Wer möchte hier nicht ins Wasser gehen?
 

©Getty Images/EyeEm/Raimon Kataotao / EyeEm/Getty Images

Mittlerweile hat auch Samoa nachgezogen und ist wegen vereinfachter Handelsbeziehungen mit Neuseeland, Australien und Asien zum Jahreswechsel 2011/2012 auf die andere Seite der Datumsgrenze gehüpft. Somit muss sich Kiribati das erste Korkenknallen mit Samoa teilen. Das zu den USA gehörende Amerikanisch-Samoa feiert übrigens mehr als einen Tag später Silvester.

Auf jeden Fall: Der Schritt hat sich für Kiribati ausgezahlt. Etliche zahlungskräftige Touristen reisten in den Südpazifik, um mit den damals rund 80.000 Einwohnern des Inselstaates (heute sind es rund 120.000) als Erste in das neue Jahrtausend zu feiern. Nur nicht auf die Millenniumsinsel, weil die ist unbewohnt.

Parlament vom Meer umgeben

Das Jahr 2000 muss generell große Symbolkraft für das Land gehabt haben, das 1979 von Großbritannien unabhängig wurde. Da begann für die 44 Abgeordneten des Maneaba ni Maungatabu, des Parlaments, eine neue Zeitrechnung. Sie zogen in der Hauptstadt South Tarawa in ein neues Gebäude ein. Es ist im Stil der klassischen kiribatischen Versammlungshäuser erbaut, liegt auf einer vorgelagerten Insel und hat ein kleines Häuschen mit Strohdach abgelöst.

Das Parlament liegt auf einer vorgelagerten Insel der Hauptstadt South Tarawa.
 

©Getty Images/EyeEm/Raimon Kataotao / EyeEm/Getty Images

Ausländer können sich das derzeit nicht ansehen. In Kiribati gilt ein Einreiseverbot für Personen, die aus einem Land mit bestätigten Covid-Fällen einreisen. Wenn die Pandemie vorbei ist, finden Reisende dort aber Ruhe und faszinierende Flecken. Und sie finden eines der letzten intakten Ökosysteme unter Wasser mit unzähligen kunterbunten Fischen und farbenfrohen Korallen. „Wäre ein Außerirdischer nur einen Tag lang auf der Erde und wollte ein Korallenriff sehen“, sagte Enric Sala zu National Geographic, „dann würde ich ihm die Millenniumsinsel zeigen.“

Der Meeresbiologe ist Naturschützer für die internationale Medienmarke und reist auf der Suche nach unberührten Orten um die Welt.Auf einigen Riffen, die Sala und sein Team betaucht hatten, wuchsen die Korallen so dicht, dass sie 90 Prozent des Meeresbodens bedeckten. Zum Vergleich: In der an Korallen nicht armen Karibik sind es oft nur fünf bis zehn Prozent. Dazu leben in den Lagunen bis zu 40 Riesenmuscheln auf einem Quadratmeter. Während anderswo Riesenmuscheln immer weniger werden, sind die Riffe um die Millenniumsinsel laut Sala „geradezu mit ihnen gepflastert“.

Im Meer vor Kiribatis Inseln gibt es noch intakte Korallenriffe, wo sich unzählige bunte Fische tummeln. 

©mauritius images / Alamy / Michael Greenfelder/Alamy / Michael Greenfelder/mauritius images

Bis zu 325 Fischarten haben die Forscher und Umweltschützer bei ihren Tauchgängen registriert. Und die von ihnen geschätzte Biomasse aller Fische ist die höchste, die je für ein Korallenriff angenommen wurde. Artenreich ist auch die Vogelwelt auf den Inseln – gerade die unbewohnten sind wichtige Rast- und Brutplätze. Von den 77 registrierten Arten, die global bedroht sind, gibt es hier zwölf.

Artenreich ist die Vogelwelt auf Kiribati. Für den Maskentölpel sind die Inseln wichtige Rast- und Brutplätze. 

©mauritius images / Alamy / Natalia Harper/Alamy / Natalia Harper/mauritius images

Zuletzt stand Kiribati in Kritik, weil der Staat ein Meeresschutzgebiet und Weltnaturerbe für den Fischfang öffnen will. Und auch sonst ist die grandiose Natur bedroht – durch die Klimakrise. Ein Großteil der Fläche liegt höchstens drei Meter über dem Meeresspiegel. Daher gilt Kiribati als jenes Land, das als Erstes zwischen 2060 und 2070 wegen des steigenden Meeresspiegels im Meer versinken könnte. Der ehemalige Präsident Anote Tong kaufte 2014 Land auf Fidschi, wohin die Bewohner notfalls flüchten könnten. Mittlerweile setzt man auf eine Landanhebung, die die Küstenerosion aufhalten soll. Auch Mangrovenwälder, die angepflanzt werden, sollen die Inseln schützen. Und dann möchte man wieder die Zeit anhalten. Diesmal aber, damit dieses Paradies erhalten bleibt.

Wo wird zuerst Silvester gefeiert?

31.12., 11:00 MEZ: Auf Kiribati und Samoa knallen zuerst die Korken

12:00: In Neuseeland und auch im Nordosten Russlands können die Bewohner feiern

14:00: In Sydney und auch in Wladiwostok geht es hoch her.

22:00: Zehn Stunden nach den ersten Menschen in Russland dürfen auch die Moskauer anstoßen

1.1., 00:00 MEZ: In mehr als 40 Ländern heißt es jetzt: „Gutes neues Jahr„ oder „Bonne année“ oder „štastný nový rok“  oder ...

12:00: Einen Tag später als alle anderen starten die Bewohner von Amerikanisch-Samoa  ins neue Jahr

 

Die menschlichen Bewohner gelten als überaus freundlich 

©mauritius images / Axiom Photographic / David Kirkland/Axiom Photographic / David Kirkland/mauritius images

Anreise und Einreise

Anreise

Derzeit herrscht ein Einreiseverbot für alle Reisenden, die aus oder über ein Land mit bestätigten Covid-Fällen einreisen. Sollten Reisen wieder möglich sein, müssen Ankommende  ein gültiges Rück- oder Weiterreiseticket und ausreichend finanzielle Mittel für den Aufenthalt nachweisen können. Es gibt Flüge ab Australien (Melbourne, Sydney oder Brisbane) über Nadi (Fidschi) bzw. Honiara (Salomonen) in die Hauptstadt Tarawa. Rechnen Sie aus Europa mit 30 bis 50 Stunden Anreisezeit.

Alternative Anreise: Eine vollkommen umweltfreundliche Anreise nach Kiribati ist leider nur schwer möglich. Außer man verfügt über ein eigenes Segelboot, nautische Fähigkeiten, viel Zeit und Unerschrockenheit. Man kann aber versuchen, für Teile der Strecke  Platz auf einem Segelschiff zu finden. Angebote dazu gibt es etwa auf den Homepages handgegenkoje.de oder   findacrew.net. Auch Frachtschiffe nehmen zeitweise Passagiere mit. Infos etwa hier: langsamreisen.de/frachtschiffreisen

Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Redakteur bei der KURIER Freizeit. Er werkt dort seit Dezember 2020 und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

Kommentare