Wien im Flakon: Trend zu Parfums, die von Städten inspiriert sind

Maria Zelenko

von Maria Zelenko

Immer mehr Parfümeure entführen ins antike Athen, durch die Straßen Mumbais – und mitten in die österreichische Kaffeehauskultur.

Auf die Frage, mit welchen Gerüchen er Wien verbindet, fällt Ben Krigler vor allem ein Begriff ein: schmackhaft. „Das ganze Gebäck hier ist einfach traumhaft“, sagt der Parfümeur im KURIER-Gespräch.

Der Nase hinter dem Parfumlabel Krigler kommen bei anderen Großstädten wie New York eher unangenehme Gerüche, wie jener von Benzin, in den Sinn. Im Vergleich dazu steht Wien für ihn vor allem für Kaffeehauskultur. „Und dann wären da noch die beeindruckenden Grünflächen mitten in der Stadt. Wie zum Beispiel der Volksgarten.“

Den süßlich-grünen Duft Wiens wollte Krigler in einem Flakon konservieren: Seine neueste Kreation namens „Palais Monarchie 218“ soll eine duftende Hommage an die österreichische Hauptstadt sein.

Neben Bergamotte, Patschuli und Jasmin findet sich auf der Liste der Duftnoten auch Außergewöhnliches wie Schlagobers. „Ebenso wie es die Schwere und Süße einer Sachertorte ausgleicht, soll es auch das Parfum trotz der süßen Mandelnoten ein wenig leichter wirken lassen“, erklärt Krigler. Schlagobers selbst lässt sich freilich nicht in einen Flakon träufeln. Eine Kombination aus verschiedenen Noten soll die Impression hervorrufen.

Duft der Ferne

Die Verbindung Wiens zum restlichen Österreich stellt Ben Krigler bei „Palais Monarchie 218“ mit Duftkomponenten her, die ein denkbar simples Lebensmittel nachahmen sollen: Milch. „Mit ihr wollte ich die Landwirtschaft aufgreifen“, erklärt der Duft-Experte. Der Weg zurück zum nachmittäglichen Stück Kuchen bleibt nicht weit. „Da Obst hier beim Backen eine große Rolle spielt, findet sich im Parfum auch ein Hauch Birne.“

Das Parfumhaus Krigler reiht sich mit seinem von einer Stadt inspirierten Duft in eine immer längere Reihe von wohlriechenden Huldigungen an Städte ein. Die Traditionsmarke Penhaligon’s erinnert mit seiner neuesten Lancierung „Constantinople“ an das frühere Istanbul, das Label Frau Tonis Parfum entführt mit maritimen Noten nach Hamburg und Byredo-Gründer Ben Gorham schwelgt mit „Mumbai Noise“ in Erinnerungen an seine Indien-Reisen als Kind.

Realitätsflucht

Parfümeur James Heeley hat sich jüngst mit „Athenean“ dem antiken Griechenland gewidmet. „Die Künste und Wissenschaften schienen ein perfektes Ganzes zu ergeben. Ich stelle mir Sokrates vor, wie er sich im Schatten eines Feigenbaums ausruhte“, sagt der Gründer von Heeley Parfums. „Den wunderbaren Duft eines frisch beschnittenen Feigenbaums habe ich mit diesem Parfum einzufangen versucht.“ Parfum habe laut Heeley die Fähigkeit, an einen anderen Ort und in eine andere Zeit zu versetzen.

Ben Krigler beobachtet, dass sich seine Kundschaft seit Beginn der Pandemie vermehrt Düften aus seiner Kollektion zugewandt hat, die sie noch nicht ausprobiert hatte. „Parfums sind zu einer Art Flucht aus der Realität geworden“, weiß der Duft-Experte.

Die Reisebeschränkungen der vergangenen zwei Jahre haben hierzu noch mehr beigetragen. „Parfums lassen uns zumindest geistig an ferne Orte reisen.“

Maria Zelenko

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Mode- und Beauty-Redakteurin

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