Herzogin Kate und ihr neues modisches Selbstbewusstsein

Christina Michlits

von Christina Michlits

Liebliche Rüschenkleider sind klaren Schnitten und Glamour-Outfits gewichen. Herzogin Catherine zeigt sich zum vierzigsten Geburtstag in mehrfacher Hinsicht selbstbewusst wie nie.

Der große Auftritt war mit einer Extraportion Selbstbewusstsein versehen, als Herzogin Kate Anfang Dezember die Westminster Abbey betrat. Sie selbst hatte ein hochkarätiges Weihnachtskonzert mit Leona Lewis in jener Kirche organisiert, in der sie vor zehn Jahren Prinz William ehelichte und damit in die britische Königsfamilie einheiratete.

War die Bürgerliche aus bestem Hause damals noch deutlich um die Gunst der Medien bemüht und frei von jeder Kritik, zeigte sie sich bei ihrem Event nun mutig wie sonst selten.

Denn zum ersten Mal hatte Kate eine Ausladung ausgesprochen – an den mächtigen Fernsehsender BBC. Die Medienanstalt hatte seit der Krönung von Queen Elizabeth II. von allen royalen Anlässen exklusiv berichtet.

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Kate begehrt auf

Jetzt aber haben die Blaublüter mit dem Sender gebrochen und die Rechte des Konzerts an einen anderen TV-Kanal vergeben. Der Grund: Die BBC hat vor einigen Tagen eine Doku über Prinz Harry und William veröffentlicht, die man sich im Königshaus nicht bieten lassen will. Bislang schwieg man zu den vielen – oft sehr spekulativen – Berichten, jetzt aber begehren William und Kate auf.

Glamour und klare Schnitte

Und so unerschrocken die BBC-Absage war, so couragiert ist auch das neue Erscheinungsbild der Herzogin. Wer ihre Auftritte genau verfolgt, dem fällt auf, dass sich Kate seit etwa einem Jahr um einiges moderner und mutiger als in der Vergangenheit präsentiert.

Bei Abendevents fährt sie in glitzernden Roben alle Glamour-Geschütze auf und beweist Hingucker-Qualitäten mit Capes, tieferen Ausschnitten, opulenten Flechtfrisuren oder Ohrringen. „Vor einem Jahr wäre ein derart bombastischer Auftritt wie bei der James-Bond-Kinopremiere im Goldkleid noch undenkbar gewesen“, urteilt auch Adelsexpertin Lisbeth Bischoff.

Die Thronfolgerin wisse spätestens seit dem Abgang von Meghan, was das Königshaus an ihr hat. „Sie ist die einzige Frau neben Prinzessin Anne, die an Stabilität übrig bleibt, wenn die Queen das Zeitliche segnen sollte. Das lässt sie sicherlich Erstarken.“

James Bond Premiere

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Etwas altbacken

Ob sie sich für ihre neue Gangart auch etwas von Meghan abgeschaut hat? „Wenn, dann ausschließlich in Sachen Mode. Die beiden sollen sich ja nicht besonders gut verstehen“, so Bischoff.

Zumindest aber trägt die bald 40-Jährige (Geburtstag am 9. Jänner) just seit dem Abdanken von Harrys Ehefrau ähnlich puristische Looks, setzt auf raffinierte Schnitte und verzichtet auf allzu altbackene Outfits, die sie bislang ausgeführt hat.

Von Schwägerin gelernt? Gegen die flott-freche Meghan
wirkte Catherine immer etwas zugeknöpfter und langweiliger .

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Der neue Look

„Die kindlich-braven und typisch englischen Rüschenkleider hat sie abgelegt“, bestätigt die Adelsexpertin. So zeigte sie sich heuer etwa in einem auffälligen Karo-Mantel von Holland Cooper für umgerechnet rund 1.000 Euro und neuen Schnitten mit breiten Schultern.

Noch ungewöhnlicher war ein roter, knöchellanger Plissee-Rock kombiniert mit einem Rollkragenpullover.

Holland Cooper Mantel

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Auch in Hosen zu sehen

Trug Kate früher meist ab dem Bauch taillierte Mäntel und Etui-Kleider in kräftigen Farben, die nicht selten an die Queen erinnerten, wagt die Herzogin nun auch weite Marlene-Hosen für formelle Veranstaltungen.

Für Otto Normalverbraucher sicher nicht ungewöhnlich, doch „im Buckingham Palast herrscht noch immer modische Steinzeit“, erklärt Bischoff. Nagellackfarbe bis Stöckelschuhhöhe werden genau vorgeschrieben. Es ist sogar verboten, sich seines Mantels zu entledigen. „Für einen Royal schickt es sich nicht, Kleidung in der Öffentlichkeit abzulegen“, plaudert die royale Insiderin aus dem Nähkästchen.

Kates kolportierte neue Stylistin Virginia Chadwyck-Healy macht die regelbehafteten Outfits der dreifachen Mutter erwachsener (siehe rechts) – vermutlich auch hinsichtlich Catherines zukünftiger Rolle: als Königin des vereinigten Königreichs Großbritanniens und Nordirlands.

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Catherines Stylistinnen

Loyalität wird im Königshaus großgeschrieben – da ist die modische Betreuung keine Ausnahme. Seit 2007 vertraut die Herzogin von Cambridge auf Natasha Archer, die erst als persönliche Assistentin anheuerte und später auch Kates Garderobe in die Hand nahm.

Als Archer 2018 ihr erstes Kind (mit Royal-Fotograf Chris Jackson) bekam, wurden Gerüchte um eine Nachfolge laut. Die langjährige Vogue-Redakteurin und Studienkollegin der Cambridges, Virginia Chadwyck-Healey, soll der Herzogin während Archers Karenz einen moderneren, mutigeren Look verpasst haben.

„Virginia berät und schlägt Sachen vor, aber Natasha macht die meiste Arbeit – es ist jedoch alles sehr geheim“, verriet die britische Modeexpertin Bethan Holt  vor einigen Monaten dem KURIER.  

Nun, da Archer ihr zweites Kind erwartet, sucht der Kensington Palast per Job-Ausschreibung eine Karenzvertretung, zu deren Aufgaben unter anderem „wardrobe management“ (Garderobenmanagement) zählt. Auf Dauer wird Kates Wunderwaffe so schnell aber niemand ersetzen.
Julia Pfligl

Christina Michlits

Über Christina Michlits

Hat Theater-, Film- und Medienwissenschaften studiert. Nach Kennenlernen des Redaktionsalltags bei Profil und IQ Style, ging es unter anderem zu Volume und dem BKF. Seit 2010 bei KURIER für die Ressorts Lebensart und Freizeit tätig.

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