Telfar statt Birkin: Beyoncé sorgt für Aufruhr in der Modewelt

Telfar statt Birkin: Die Sängerin sorgt mit einer Textzeile für Aufruhr in der Modewelt.

Im Grunde hätte die „Telfar Shopping Bag“ keine Werbung mehr nötig gehabt. Seit der liberianisch-amerikanische Designer Telfar Clemens (37) vor fünf Jahren seine erste Taschenkollektion lancierte, mauserte sich das schlichte Modell aus veganem Leder nach und nach zum Lieblingsaccessoire von Stars und Influencern. Oprah Winfrey hielt eine in die Kamera, US-Polit-Star Alexandria Ocasio-Cortez trug ihre Telfar auf den Treppen des Kapitols spazieren – es schien kaum denkbar, dass der quadratische Shopper noch begehrter werden könnte.

Doch dann kam Beyoncé und verewigte die „It-Bag“ – so nennt man angesagte Taschen aus dem Luxussegment – auf ihrem Hit-Album „Renaissance“. Im letzten Lied rappt die Sängerin wörtlich: „This Telfar bag imported ... Birkins? Them shits in storage.“ Frei übersetzt: Ich habe jetzt eine Telfar-Tasche und verräume dafür sogar meine teuren Birkin-Bags ins Lager.

Luxus für alle

Ein Raunen ging durch die Modewelt: Schließlich galt die lederne „Birkin Bag“ (benannt nach 70er-Jahre-Ikone Jane Birkin) aus dem Hause Hermès lange als Heiliger Gral unter den Luxushandtaschen. Sie kostet mehrere tausend Euro, wer sie besitzen möchte, muss sich in Endlos-Warteschlangen einreihen.

Eine gänzlich konträre, demokratischere Philosophie vertritt Telfar Clemens. Seine Unisex-Taschen mit dem ikonischen Monogramm (TC) sind auch für Normalverdiener erschwinglich (das teuerste Modell kostet ca. 380 Euro) und treffen den Geschmack von Superstars ebenso wie den Zeitgeist politisch korrekter Millennials. Unter ihnen etablierte sich daher auch der Spitzname „Bushwick Birkin“ – eine Anspielung auf den hippen Stadtteil in Brooklyn, wo Telfars besonders populär sind.

Begehrt: Die Telfar Shopping Bag in der Trendfarbe „Pool Blue“ (ab ca. 185 €)

©Telfar

Dass Popstar Beyoncé, eine Ikone der schwarzen Community, nun unbezahlte Werbung für einen schwarzen, unabhängigen Designer macht, lässt die Nachfrage in dieser Zielgruppe zusätzlich ansteigen. Wie Vogue Business berichtet, verzeichneten Second-Hand-Plattformen für Luxus-Accessoires in der Woche nach dem Album-Start deutlich mehr Suchanfragen. Auf TheRealReal.com wurde um 85 Prozent häufiger nach Telfar-Taschen gesucht, auf Fashionphile.com überholten die Anfragen zu Telfar sogar jene zu Birkin-Bags.

Auf der offiziellen Website waren die neuen Modelle nach dem jüngsten „Restock“ ob des Hypes sowieso gleich vergriffen. Manche sehen darin einen Widerspruch zum Slogan, unter dem die Marke seit Jahren operiert: „Nicht für dich, sondern für jeden.“

Eine Rechnung, die Telfar jedoch ohne den Faktor Beyoncé gemacht hat.

Julia Pfligl

Über Julia Pfligl

Seit 2014 beim KURIER, Ressort Lebensart

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