Weniger Sex in der Pandemie: Kondomabsatz ging deutlich zurück

Laut dem weltweit führenden Produzenten Karex wurden in der Pandemie vierzig Prozent weniger Präservative gekauft.

Mehr Zeit zu Hause bedeutet mehr Sex: Diese Rechnung ging laut dem weltweit führenden Kondomhersteller Karex so gar nicht auf.

Während zu Beginn der Pandemie erwartet wurde, dass Lockdowns zu mehr Sex in der Bevölkerung oder gar einem Corona-Babyboom führen könnten, entpuppte sich die Krise als wahrer Stimmungskiller: Laut dem malaysischen Kondomriesen Karex sind die eigenen Kondom-Verkäufe seit Beginn der Pandemie um bis zu vierzig Prozent zurückgegangen.

Auch wenn Menschen weltweit vermehrt zu Hause blieben, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, hat die sexuelle Aktivität mit dem beliebten Verhütungsmittel abgenommen, so Goh Miah Kiat, CEO des Unternehmens gegenüber Nikkei Asia.

Den Grund für den Rückgang der Verkaufszahlen sieht er unter anderem in den Schließungen von Hotels und Wellnesszentren. Während der Pandemie waren auswärtige Übernachtungen phasenweise komplett eingeschränkt. In Ländern, in denen traditionell viele Menschen unter einem Dach wohnen, fielen somit wichtige intime Rückzugsorte weg.

Strikte Ausgangsbeschränkungen

Nach Beginn der Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr 2020 musste Karex zudem seine drei Fabriken in Malaysia zunächst vollkommen stilllegen. Als in dem südostasiatischem Land strikte Ausgangsbeschränkungen galten, konnte vorübergehend nur mit eingeschränkter Belegschaft weitergearbeitet werden.

Im Frühjahr 2020 drohte daher ein deutlicher weltweiter Mangel an Kondomen. Die UNO schlug damals wegen der nachlassenden Versorgung mit Präservativen Alarm.

Auch den Einbruch der Sexindustrie – ein traditionell wichtiger Kondommarkt – macht der CEO für den Rückgang der Verkaufszahlen der letzten beiden Jahre verantwortlich. Zusätzlich seien viele Verhütungskampagnen von Regierungen während der Pandemie ausgesetzt worden: „Ein großer Teil (der Kondome, Anm.) wird von den Regierungen auf der ganzen Welt verteilt, die die Verteilung während Covid-19 erheblich reduziert haben“, so Goh Miah Kiat im Interview mit Nikkei Asia.

Neuer Geschäftszweig

Laut Goh Miah Kiat haben sich die Verkäufe von Karex und anderen Kondomherstellern in letzter Zeit wieder erholt, als Regierungen weltweit die Kontaktbeschränkungen lockerten. Die Produktionsanlagen für Kondome in Malaysia und Thailand seien nun wieder nahezu ausgelastet.

Karex beliefert mit seinen Produkten heute 140 Länder und stellt neben einer eigenen Kondommarke auch Produkte für andere Hersteller her, unter anderem für die Marke Durex. Laut Financial Times produziert das malaysische Unternehmen mit Niederlassungen in Thailand, Großbritannien und den USA jährlich 5,5 Milliarden Kondome. Das entspricht einem von fünf Kondomen weltweit.

Zusätzlich zum „Gummi“ als Verhütungsmittel möchte das Unternehmen seine Produktpalette künftig pandemieresistenter gestalten: Neben Kondomen plant Karex die Herstellung von medizinischen Handschuhen, einem während der Pandemie sehr nachgefragten Produkt. Für die Handschuhe sollen ähnliche Materialien und Technologien verwendet werden, wie für die Herstellung von Kondomen.

Über Elisabeth Kröpfl

Seit 2021 beim KURIER, Ressort Lebensart

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