"Soft Launching" ist die neue Art, den Partner auf Social Media vorzustellen

Die Technik der Generation Z soll nicht nur für das richtige Maß an Spannung sorgen. Sie ist auch präventive Schadensbegrenzung.

Und plötzlich waren zwei volle Weingläser und eine fremde Hand, die im Hintergrund nach der Gabel greift, in der Instagram-Story zu sehen. Vielleicht aber auch ein geheimnisvolles Seitenprofil im Gegenlicht des Sonnenuntergang-Fotos. Oder aber man tut es Reality-TV-Star Kourtney Kardashian gleich: Sie bestätigte ihre Beziehung mit dem Musiker Travis Barker auf der Social-Media-Plattform mit einer Nahaufnahme ihrer ineinander verschlungenen Hände.

Diese Art der sanften Einführung des Partners in die virtuelle Welt ist das, was die junge Internet-Community unter einem "Soft Launch" versteht: Man befindet sich in der Anfangsphase einer neuen Beziehung, weiß aber noch nicht unbedingt, wie man das neue Liebesglück der Welt präsentieren soll. 

Ungebunden

Der Begriff geht auf einen Tweet der Komikerin Rachel Sennott zurück. Ursprünglich stammt er aus dem Unternehmensjargon. Ein neues Produkt, das noch nicht groß beworben wurde, wird schrittweise am Markt eingeführt. Die Kundinnen und Kunden werden neugierig gemacht und können erste Modelle testen; das Unternehmen kann etwaige Fehler ohne große Aufmerksamkeit beheben.

Ein "Soft Launch“ im Liebesleben beschreibt dementsprechend eine ganz ähnliche Situation. Auf Instagram und Tiktok wird damit das Risiko minimiert, eine Beziehung öffentlich zu machen, die möglicherweise nicht endgültig ist. Beide Partner können sich langsam an die neue Situation zu gewöhnen, ohne eine große Erwartungshaltung aufzubauen. Gleichzeitig kann man jederzeit ein paar Schritte zurückgehen, sollte die Beziehung nicht weiter vorankommen 

Der neue Facebook-Status

Der "Soft Launch" hat damit den altbekannten Beziehungsankündigungen in den sozialen Medien den Rang abgelaufen. Als klassischer "Hard Launch" gilt etwa der Facebook-Beziehungsstatus, über den Nutzerinnen und Nutzer mit Pauken und Trompeten den Wechsel von "Single" zu "in einer Beziehung" verkündeten.

Ob zum Flirten oder einfach nur zum Tratschen, der Menschen war schließlich schon immer daran interessiert, den Beziehungsstatus seiner Kontakte zu kennen. Die Generation Z möchte das allerdings weniger laut und weniger offiziell machen. Eine aktuelle Umfrage der Dating-App Parship bestätigt die Tendenz: Nur ein Viertel (27 Prozent) der befragten Personen zwischen 18 und 29 Jahren ist der Meinung, dass ihre Beziehung die Öffentlichkeit nichts angeht. Drei Prozent aller Befragten und immerhin 24 Prozent der 18- bis 29-Jährigen warten außerdem erst einmal ab, wie sich das Miteinander entwickelt. Sobald sie sicher sind, würden sie ab und zu ein Foto von ihrem oder ihrer Liebsten posten.

Für viele vielleicht das Ansprechendste an einem "Soft Launch": Anstatt den Facebook-Status nach einer Trennung wieder auf "Single" umändern oder jegliche Pärchen-Selfies aus dem Profil löschen zu müssen, können Fotos von zwei Weingläsern oder einem zusätzlichen Paar Beine am Strand ganz einfach online bleiben - sanft und subtil eben.

Elisabeth Kröpfl

Über Elisabeth Kröpfl

Seit 2021 beim KURIER, Ressort Lebensart

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