Good Vibrations für den Lockdown: Österreichs populärste Sex-Toys

Andreas Bovelino

von Andreas Bovelino

Die "freizeit" hat mit Expertin Ingrid Mack über den aktuellen Vibratoren-Boom gesprochen. Und erfahren, welche die Top-5-Toys in heimischen Haushalten sind.

Essen. Trinken. Ein bisschen basteln vielleicht, Stichwort "Home Improvement". Und was macht man sonst so, wenn man sich seit gefühlt 127 Jahren hauptsächlich in den eigenen vier Wänden aufhält?

Genau, man spielt ein bisschen rum. An sich. Am Partner. Ist ja auch gesünder als die ewige Völlerei - und macht mehr Spaß. Zumindest sollte es das. Und genau an diesem Punkt kann man ganz entscheidend nachhelfen: Die Auswahl an Sextoys ist so bunt und vielfältig, wie überhaupt noch nie, und vor allem erlebt sie gerade wegen der vielen Lockdowns und Beschränkungen einen unglaublichen Boom. Man könnte auch sagen, die Vibratoren-Branche brummt - im wahrsten Sinn des Wortes.

Bunt und gar nicht schmuddelig: Die neue Generation an Erotikshops

©Bovelino

Die "freizeit" hat mit Ingrid Mack, Inhaberin des Erotikfachgeschäfts "Liebenswert" und quasi österreichische Doyenne der Dildos, über Entwicklungen und Trends, aber auch die Geschichte der vibrierenden Hausfreunde gesprochen.

Frau Mack, viele Hersteller von Erotik-Bedarf, vor allem von Vibratoren, freuen sich über Rekord-Absätze. Wie darf man sich die Konsumenten vorstellen? Einsam? Frustriert vom immerwährenden Lockdown?

Ingrid Mack: Keinesfalls! Von der Vorstellung, dass Frauen nur zu Vibratoren greifen, weil sie keinen Mann haben, müssen wir uns endlich verabschieden. Laut einer kürzlich durchgeführten Studie gibt es in knapp 80 Prozent der europäischen Haushalte Vibratoren - das alleine spricht schon gegen diese Annahme. Nein, es gibt sehr viele Pärchen, die experimentieren, neue Lustquellen ausloten. Und genießen. Dass selbstbewusste alleinstehende Frauen auch zu verschiedenen Toys greifen, stimmt natürlich - aber nicht aus Frustration. Wie sehr der Lockdown meine KundInnen frustriert, da habe ich keinen Einblick ... Ich gehe allerdings davon aus, dass die Artikel, die sie sich bei mir und anderen Händlern holen, ihnen zu freudvollen Erlebnissen verhelfen.

Dipl. Sexualberaterin und Pädagogin Ingrid Mack führt in Wien ein Erotikfachgeschäft, www.liebens-wert.at

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Sie sprechen von Pärchen, die auch gemeinsam Vibratoren shoppen und benutzen. Ich könnte mir vorstellen, dass es Männer gibt, die sagen: "Wozu brauchst du sowas? Bin ich dir nicht genug?"

Das war tatsächlich lange Zeit eine weit verbreitete männliche Reaktion. Erst im aktuellen Jahrtausend ist die Bereitschaft gewachsen. So nach dem Motto: "Was ihr Lust bereitet, steigert auch mein Vergnügen." Auch das Interesse an weiblicher Sexualität generell ist gestiegen. Was passiert, wenn man hier stimuliert oder dort? Welche Lustpunkte und -Regionen findet man? Da gibt es für beide Partner viel zu entdecken, und immer mehr empfinden das als lustvoll.

Eine positive Entwicklung. Wenn man bedenkt, dass es ursprünglich Ärzte waren, die im 19. Jahrhundert die ersten Vibratoren entwickelten ...

(lacht!) Ach, sie sprechen die Behandlung weiblicher "Hysterie" an? Ja, die Befriedigung der Frau oblag damals in vielen Haushalten dem Frauenarzt. Die "libidinöse Entkrampfung" sollte gegen Kopfschmerzen, Angespanntheit, "Verstimmung" und alle möglichen "Launen" helfen. Und weil einigen Ärzten die "Handarbeit" zu mühsam und vor allem langwierig war, wurden die ersten Vibratoren erfunden, stimmt. Ich habe selbst einige sehr alte Modelle bei mir ausgestellt. Zu den Verhältnissen dieser Zeit gibt es übrigens einen sehr amüsanten Film mit Maggie Gyllenhaal: "Hysteria", mit dem passenden Untertitel "In guten Händen".

Einer der frühen Vibratoren aus Ingrid Macks Sammlung

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Und den Ehemännern machte das nichts aus?

Nein, aus patriarchaler Sicht war das kein Problem, solange es nicht zur Penetration kam.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Vibratoren in seriösen Magazinen und Katalogen auch als ideales Weihnachtsgeschenk für die Ehefrau beworben, um ihr "glänzende Augen und rosige Wangen" zurückzugeben. Dann verschwanden sie relativ plötzlich von der Bildfläche. Was ist passiert?

Schon in den 1930ern wurden sie immer öfter in pornografischen Filmen eingesetzt. Und als dann die ersten batteriebetriebenen Stabvibratoren auf den Markt kamen, konnte man beim besten Willen nicht mehr vorgeben, das hätte nichts mit Sex zu tun. Und damit standen sie im Schmuddeleck, wie alles, was damals mit Sex zu tun hatte.

Ein Vibrator aus den 1950er-Jahren

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Das sieht heute Gott sei Dank wieder ganz anders aus. Erotik-Läden wie Ihrer (Anm.: Ingrid Mack eröffnete 1994 ihr erstes Geschäft in Wien 6.) werden immer häufiger und bieten kaum eine Hemmschwelle, einfach mal reinzuschauen und sich beraten zu lassen. Völlig ungeniert.

Und genau so sollte es doch auch sein, oder? Es geht immerhin um Sex - und der geht uns alle an. Da gibt es keinen Grund für Peinlichkeiten.

In Ingrid Macks Reich in der Esterhazygasse 26, 1060 Wien

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Bis zum Lockdown lief bei Ihnen eine Aktion, die man sonst von Autohäusern kennt: Eine Verschrottungsprämie für alte Vibratoren. Was hat es damit auf sich?

Es ist mir ein wirkliches Anliegen, alte PVC-Vibratoren, vor allem die sogenannten Jelly-Vibratoren, aus dem Verkehr zu ziehen. Die sind mit Phthalaten, also Weichmachern, angereichert. Und die sind nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern in hohem Ausmaß auch für den Menschen. Sie beeinträchtigen den Hormonspiegel, können zur Unfruchtbarkeit führen, Leber und Nieren schädigen. Diese Weichmacher werden nicht nur über die Nahrung aufgenommen, über Verpackungsfolien etwa und Plastikflaschen, sondern auch über die Haut - und erst recht natürlich über unsere Schleimhäute. Also nichts wie weg damit!

Welche Materialien empfehlen Sie?

Silikon ist das vielseitigste und meist verwendete Material. Aber auch Holz, Glas oder Edelstahl werden verarbeitet. Alle seriösen Shops bieten ausschließlich sichere Ware an.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Mit Vergnügen!

 

Ingrid Mack ist Inhaberin des Erotikfachgeschäftes "Liebenswert", Esterhazygasse 26, 1060 Wien. liebens-wert.at

Top 5

Über ihren Online-Handel hat Mack einen guten Überblick, welche Vibratoren uns Österreichern die diversen Lockdowns besonders versüßt haben. Hier ihre Top-5-Toys:

1. "Womanizer"
DIE revolutionäre Erfindung der letzten Jahre. Ein Druckwellengerät, das direkt die Klitoris stimuliert. Der bayerische Erfinder Michael Lenke garantiert eine Erfolgsquote von 99 Prozent. "Mindestens", sagt Ingrid Mack. Der beliebteste Weg zum "schnellen Glück".

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2. "Bullet"
Sehen völlig harmlos aus, haben es aber in sich. Die kleinen Freunde wie der "Strong Minibullet" (Fun Factory) sind ebenfalls für den äußeren Gebrauch konzipiert. Lassen sich sehr präzise ansetzen. Augenscheinlich an der Klitoris, aber "man entdeckt damit auch erogene Zonen, von denen man vorher gar nichts gewusst hat", wie Userinnen schreiben. Von der Größe sollte man sich nicht täuschen lassen, die Vibrationen sind ausgesprochen kraftvoll.

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3. Vive "Cato"
Ein High-End-Produkt, dessen pulsierendes Ende den tief gelegenen "A-Punkt" stimuliert. Die aus "Sex and the City" bekannten "Hasenöhrchen" reizen zusätzlich die Klitoris - quasi ein Rundumvergnügen.

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4. WeVibe "Moxie"
Einer der absoluten Trends der letzten Jahre. Ein Auflegevibrator, der über eine Handy-App ferngesteuert wird. Bekannt auch aus etlichen YouTube-Challenges, wobei in den Kommentaren oft vermutet wird, dass dabei nur geschauspielert wird (Katherine Heigl!). "Das kann nur jemand schreiben, der noch nie so ein kleines Ding im Slip getragen hat. Die sind richtig stark", erklärt Ingrid Mack. Gibt's inzwischen auch in der penetrierenden Variante "Jive".

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5. Svakom "Emma Neo"
Zwei Freunde in einem. Pur entspricht er in etwa den bekannten "Magic Wands", den zurecht "Zauberstab" genannten, unglaublich starken Auflegevibratoren zur Stimulation der Klitoris und der gesamten klitoralen Zone. Mit dem Aufsatz verwandelt er sich in ein sehr kräftiges "Häschen", also den bereits bekannten "Rabbit"-Vibrator. Dazu besitzt er eine interessante "Heizfunktion" ...

 

 

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Andreas Bovelino

Über Andreas Bovelino

Ex-Musiker, spielte in der Steinzeit des Radios das erste Unplugged-Set im FM4-Studio. Der Szene noch immer sehr verbunden. Versucht musikalisches Schubladendenken zu vermeiden, ist an Klassik ebenso interessiert wie an Dance, Hip-Hop, Rock oder Pop. Sonst: Texte aller Art, von philosophischen Farbbetrachtungen bis zu Sozialreportagen aus dem Vorstadt-Beisl. Hat nun, ach! Philosophie, Juristerei und Theaterwissenschaft und leider auch Anglistik durchaus studiert. Dazu noch Vorgeschichte und Hethitologie, ist also immer auf der Suche einer archäologischen Sensation. Unter anderem.

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