Was untreue Partner tun, um eine Affäre zu verheimlichen

Bei vielen befeuert die Pandemie die Lust auf einen Seitensprung. Zwei neue Studien ergründen Motive und Strategien von Fremdgängern.

Gemeinsames Homeoffice, fehlender Ausgleich und ewige Corona-Debatten: Die Pandemie hat die Dynamik in vielen Beziehungen verändert und deren Qualität auf die Probe gestellt. Dass durch die Eintönigkeit im neuen Alltag auch die Lust auf Affären gestiegen ist, zeigte sich bereits vor einem Jahr auf dem Seitensprungportal Ashley Madison. Wenige Monate nach Ausbruch der Pandemie schossen die Neuregistrierungen auf ein Rekordhoch, bestätigte ein Sprecher. Zudem gab jeder Vierte in einer Umfrage an, sich deswegen impfen zu lassen, um „verantwortungsvoll“ fremdzugehen.

Was aber tun Menschen, um ihre Affären vor dem Partner zu verbergen? Dieser bisher unerforschten Frage ging der Evolutionspsychologe Menelaos Apostolou in einer Studie nach, die nun im Fachjournal Personality and Individual Differences publiziert wurde. In zwei Befragungen – zuerst von vergebenen Personen, dann von Menschen, die schon einmal fremdgegangen waren – kristallisierten sich elf Haupt-Strategien heraus: darunter diskretes Verhalten, die Vernichtung digitaler Beweise und wenig Kontakt zu derjenigen Person (siehe unten)

Fakten

Häufigkeit
Laut einer Parship-Umfrage  ist jeder dritte Mann und jede fünfte Frau schon einmal fremdgegangen. Die Zahl der Scheidungen in Österreich ist während der Pandemie nicht gestiegen 

Geheimhaltung
Diskret sein, digitale Beweise vernichten, dieselben Routinen aufrechterhalten, Freunde als Alibi verwenden, Handys mit Passwörtern sichern, wenig Kontakt zur jeweiligen Person, mehr Interesse am Partner zeigen und die Affäre als Freund/Kollege präsentieren sind die häufigsten Strategien von untreuen Personen

Wenig überraschend stellte sich heraus, dass manipulative Persönlichkeitstypen häufiger untreu waren und mehr Aufwand betrieben, um dies zu verheimlichen. Menschen mit narzisstischen Neigungen wandten im Schnitt weniger Strategien an, weil sie aufgrund ihrer Persönlichkeit weniger besorgt sind, dass sie auffliegen könnten. 

Stress abbauen

Corona macht wie jede Krise Schwachstellen und Probleme deutlich, erklärt der Beziehungscoach Dominik Borde. Das  alleine bringt aber noch nicht jede Ehe ins Wanken. „Während die einen daraus den Sinn ihrer Lebensweise und die Art ihrer Verbindung hinterfragen und sich gemeinsam neu erfinden wollen, stürzen sich die anderen erst recht in eine Affäre oder suchen einen Ausweg in einer neuen Beziehung.“

Eine ähnliche Beobachtung machte Katharina Braun, Familienanwältin in Wien. Zwar sei die Zahl der Scheidungen durch Corona in Österreich bis jetzt nicht gestiegen, die Belastung vielen Ehen inzwischen dennoch anzumerken. "Zugenommen haben etwa Süchte wie Internet, Alkohol oder Pornos. Viele Männer wollen dann mit der Ehefrau nicht mehr schlafen - da hatte ich einige sehr gekränkte Frauen", berichtet Braun.

Viele würden mit dem außerehelichen Beischlaf Stress abbauen, "sich spüren wollen", sagt die Anwältin. "Gerade jetzt haben viele Ängste und versuchen, Sicherheit durch einen anderen zu gewinnen. Untreue hat ja viel mit Eigenunsicherheit, mangelndem Selbstbewusstsein zu tun." Ein Teufelskreis: "Meist lässt beim Fremdgehen die anfängliche Euphorie schnell nach und es entsteht noch mehr Stress."

Sex, Wut und Selbstwert

Mit Sex an sich hat ein amouröses Auswärtsspiel übrigens selten zu tun, zeigte eine Studie Anfang des Jahres. Unter den häufigsten Beweggründen waren laut den US-Forschern Wut, mangelnde Zuneigung vom Partner, Steigerung des Selbstwerts oder einfach eine passende Gelegenheit. Die renommierte Paartherapeutin Esther Perel bezeichnet eine Affäre als „Schrei nach Leben“, der nicht zwingend aus einer unglücklichen Ehe kommt.

„Untreue hat ebenso mit dem Wunsch zu tun, verlorene Teile unseres Selbst zurückzugewinnen“, ergänzt Borde. „Es ist nicht unser Partner, von dem wir uns abwenden – sondern die Person, die wir geworden sind.“

Kurzfristig könne eine Affäre die Ehe sogar positiv beeinflussen: "Beispielsweise, weil das Selbstbewusstsein durch die Affäre gepusht und die Lust auf Sex neu angefacht wird, wovon auch das Sexleben in der Beziehung profitiert", sagt Borde. "Doch dieser Effekt ist nicht von Dauer, er löst die grundlegenden Probleme der Beziehung nicht. Ein Betrug ist niemals der Kickstart ins Glück für die bestehende Beziehung."

Fliegt ein Seitensprung trotz Geheimhaltungsstrategien auf oder wird er aus schlechtem Gewissen gebeichtet, sollten die Konsequenzen am besten mit einem Coach oder Therapeuten besprochen werden. 

Julia Pfligl

Über Julia Pfligl

Seit 2014 beim KURIER, Ressort Lebensart

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