„Hesidating“: Wie Corona unser Datingverhalten beeinflusst

Beziehungsstatus: "Es ist kompliziert." Warum sich viele Singles nach dem Lockdown nicht zurück ins Datingleben stürzen.

Dating war nie einfach. Geschlossene Universitäten, abgesagte Partys und frühe Sperrstunden haben die Suche nach dem oder der Richtigen in den letzten zwei Jahren nicht gerade vereinfacht. Doch auch als coronabedingte Kontaktbeschränkungen gelockert wurden, haben sich wenige Menschen sehnsüchtig zurück in die Datingwelt gestürzt. Der Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“ scheint auch 2022 so zutreffend wie nie zuvor.

Immer zögerlicher

Zunächst könnte man meinen, dass die während der Pandemie erlebte Einsamkeit die Menschen dazu motiviert hätte, sich nach Ende der Kontaktbeschränkungen verstärkt zu treffen. Corona habe jedoch insgesamt stark verunsichert, erklärt Flirtcoach und Mentaltrainerin Susi Bartmann: „Viele sind seit Corona vorsichtiger.“

Viele Singles zweifeln heute daran, ob sie bereit für eine feste Beziehung sind, oder lieber etwas Zwangloseres möchten. Die Dating-Plattform Plenty of Fish beschreibt dieses Phänomen als „hesidating“. Abgeleitet vom englischen Wort „hesitating“ (dt. zögern), ist es das Dating-Motto der Stunde.

Unter Hesidating versteht man „ein Gefühl der Gleichgültigkeit im Bezug auf Dating.“ Es gehe um die Unsicherheit, ob man ernsthaft oder doch lieber zwanglos auf Dates gehen möchte, weil das Leben im Moment allgemein so unsicher sei, so das Unternehmen auf Instagram. Eine von Plenty of Fish in Großbritannien durchgeführte Umfrage habe nach eigenen Angaben ergeben, dass ein Großteil der Singles davon betroffen sei.

Online statt analog

Ein weiterer Trend, der sich in der Pandemie abbildete, war der Umstieg auf Online-Dating. Viele Singles glauben heute, es sei einfacher, die große Liebe auf Apps und Datingplattformen zu finden, als jemanden auf der Straße, im Fitnessstudio oder im Club anzusprechen. Dies sei jedoch nicht immer der Fall, so Bartmann. Schließlich kommt auch nach einem ausgiebigen digitalen Kennenlernen irgendwann die Zeit für das erste Date in persona.

Ein weiterer Vorteil von Online-Dating sei für viele, dass sie einen ganzen „Katalog“ an Profilen nach ihrem perfekten Match durchforsten können. Viele Singles haben eine klare Vorstellung von ihrem Traummann oder ihrer Traumfrau. Was für eine Art von Beziehung sie sich selbst wünschen, wissen jedoch die wenigsten.

Kreative Dates

Wird es schließlich Zeit für ein analoges Kennenlernen, haben sich seit Corona auch die Dating-Aktivitäten verändert. Statt dem ersten Abendessen oder Kaffeehausbesuch haben sich in der Pandemie viele erste Dates ins Freie verlagert.

Wer lösungsorientiert ist, habe sich in seinem Datingleben nicht vollständig von der Pandemie einschränken lassen müssen, so Bartmann. Neben Spaziergängen standen für ihre Kundinnen und Kunden vermehrt sportliche Aktivitäten wie etwa Bogenschießen oder auch Neujahrsbaden in der Donau am Programm.

Neues Dating-Vokabular

Neben "hesidating" veröffentlichte die Plattform Plenty of Fish weitere Wortschöpfungen, um unserem Liebesleben sei der Pandemie einen Namen zu geben:

Déja vu-ing: Mit einem neuen Partner oder einer neuen Partnerin das Gleiche tun wie mit dem Ex-Partner oder der Ex-Partnerin.

Hanticipation: Die Unsicherheit darüber, wie viel körperliche Nähe aufgrund der Kontaktbeschränkungen akzeptabel ist.

Communidating: Die Nutzung von Dating-Apps nicht nur für romantische Verabredungen und intime Beziehungen, sondern auch, um Freunde und Kontakte zu knüpfen.

Über Elisabeth Kröpfl

Seit 2021 beim KURIER, Ressort Lebensart

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