Der Sieg der Sterne: Warum Millennials Astrologie lieben

Podcasts, Apps oder Instagram-Profile: Die sinnsuchende Generation Y hat sich der Macht der Sterne verschrieben.

Heute ist ein guter Tag für ihre Kreativität, dafür ist es um ihr Sozialleben schlecht bestellt. Freundin B. weiß das, weil sie jeden Morgen ein maßgeschneidertes Online-Horoskop auf ihr Smartphone gepusht bekommt.

Freundin L. wiederum trifft keine wichtige Entscheidung mehr, ohne vorher den Astrologen ihres Vertrauens zu kontaktieren – auch in Liebesangelegenheiten. Ein potenzieller Partner wird nicht nur auf Herz und Nieren, sondern auch auf seinen astrologischen Background geprüft.

Weshalb der jüngste Anwärter gleich einmal durchfiel. „Er ist Fisch, das geht leider gar nicht. Da ist Drama vorprogrammiert“, seufzte sie nach dem ersten Treffen. Auch Krebse (klammernd) und Steinböcke (besitzergreifend) haben bei ihr – Sternzeichen Schütze, Aszendent Skorpion – von Haus aus schlechte Karten, Zwillinge dafür einen wesentlichen Startvorteil.

Willkommen im postfaktischen Zeitalter, wo Tinder-Dates nach ihrem Aszendenten ausgewählt werden und der rückläufige Merkur als Sündenbock für eh alles herhalten muss. Die sinnsuchende Generation Y hat sich der Macht der Sterne verschrieben, sei es in Form von Podcasts, Apps oder Instagram-Profilen, die sich den Eigenheiten der einzelnen Zeichen widmen.

Woher rührt der Astro-Hype der Millennials? Die New York Times vermutet darin einen trendigen Religionsersatz in Krisenzeiten, schließlich bieten auch die Sterne Erklärungen und Ausflucht für negative Entwicklungen.

Apropos Ausflucht und Krisen: Die Pandemie dauert noch so lange, bis Neptun aus den Fischen geht, prophezeite Gerda Rogers zum Jahreswechsel. Man braucht keine App, um zu begreifen: Er scheint bisweilen keine Eile zu haben.

Julia Pfligl

Über Julia Pfligl

Seit 2014 beim KURIER, Ressort Lebensart

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