Warum ist der Kaffee in Italien billiger als in Österreich?

Daniel Voglhuber

von Daniel Voglhuber

Gut und günstig ist der Espresso im Süden. Warum das so ist und wo es auch teurer werden kann.

"Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunkeln Laub die Goldorangen glühn“, schrieb weiland Goethe sehnsüchtig in seiner Italienischen Reise. „Kennst du das Land, wo der Kaffee schmeckt, und danach noch Geld im Taschl steckt?“, wäre man geneigt, selbst zum Dichterfürst zu werden – inspiriert von der happigen Rechnung, die einem manchmal im Wiener Kaffeehaus präsentiert wird.

Und sollte sich die Muse noch nicht erbarmt haben, könnte man auch ganz einfach fragen: Warum ist der Kaffee in Italien so billig und bei uns nicht?

Zwei Arten von Kaffee

„Grundsätzlich unterscheidet man in Italien zwischen dem Caffè ‚al Banco‘ – an der Bar – und dem Caffè ‚a Tavola‘, also bei Tisch. „Caffè al Banco trinkt man rasch im Stehen und geht wieder. Das ist ein Espresso um einen Euro“, sagt Otmar Frauenholz, Geschäftsführer von illycaffè in Österreich. „Dieser Preis ist auch gesetzlich reglementiert, um allen den Zugang zu einem guten Espresso zu sichern.“ Wobei die Preise zuletzt vor allem wegen der Corona-Krise zugelegt haben. Mittlerweile bewegt sich die Bandbreite zwischen 1 Euro und 1,30 Euro. Und so ein teurerer Kaffee schlägt traditionsbewussten Italienern auf den Magen. Kein Wunder: „Der niedrige Preis ist ganz stark in der Kaffeekultur verankert“, erklärt der Manager des triestinischen Konzerns.

Ein genauso fixer Bestandteil des italienischen Savoir-vivre sei der Caffè Sospeso. „Hier zahlt der Gast an der Bar zwei Euro für einen Espresso – und der nächste Gast, der sich seinen Espresso nicht leisten kann, bekommt einen gratis.“

Teuer in Venedig

Allerdings: „Sobald Sie denselben Caffè bei Tisch trinken gelten ähnliche Preise wie bei uns und inkludieren dann auch eine Servicegebühr“, sagt Frauenholz. Und die könne ja nach Region unterschiedlich ausfallen. Da ist sie etwa in südlicheren Gefilden niedriger, während sie am Markusplatz in Venedig exorbitant hoch ist. 43 Euro musste vor einigen Jahren ein Besucher für zwei Espressi und zwei kleine Flaschen Wasser zahlen. Da muten die Preise in Österreich gleich wieder moderat an.

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Daniel Voglhuber

Über Daniel Voglhuber

Daniel Voglhuber werkt seit Dezember 2020 für die KURIER Freizeit und darf sich den schönen Dingen im Leben widmen. Zuvor war er fast zehn Jahre in der KURIER-Chronik. Er begann 2011 als Oberösterreich-Mitarbeiter in Linz, später produzierte er lange unterschiedliche Regionalausgaben. Zuletzt war er stellvertretender Chronik-Ressortleiter.

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