So schmecken Lachs und Thunfisch der Trend-Marke Vegan Zeastar

Anita Kattinger

von Anita Kattinger

Den Geschmack nach Meer kreiert ein findiges Unternehmen mit Glukose aus Algen – jetzt auch in Österreich.

20 Kilogramm Fisch isst der Mensch im Jahr – doppelt so viel wie in den 60ern, als Sushi nicht zu den Mittagsklassikern im Büro gehörte. Mehr als 3.500 Tonnen Fischstäbchen tischen Herr und Frau Österreicher jedes Jahr auf – damit handelt es sich um das beliebteste Tiefkühlfischgericht Österreichs.

Dieser Hunger hat katastrophale Folgen für die Weltmeere: Gut ein Drittel der Fischbestände sind nach Angaben der Welternährungsorganisation schon überfischt. Unter anderem, weil viele Fischarten schon knapp sind, wird heute dieselbe Fischmenge von mehr Schiffen gefangen und öfter von großen kommerziellen Flotten. Diese Boote setzen oft schädliche Schleppnetze ein, in denen Schildkröten, Wale und Delfine verenden.

Vor diesem Hintergrund und seit der Ausstrahlung der Netflix-Doku „Seaspiracy“ – ein viel beachteter und in der Fachwelt auch kritisierter Film über Fang-Praktiken und Meeresschutz-Organisationen – boomen pflanzliche Fischalternativen.

©Vegan Finest Foods

Die Marke „Vegan Zeastar“ vom niederländischen Händler Sterk Seafood fällt hier besonders auf: Mit 135 Jahren Erfahrung im Fischgroßhandel wird das Unternehmen derzeit von der sechsten Generation der Familie geleitet. Laurens Sterk – einer der drei geschäftsführenden Brüder, leidenschaftlicher Segler und Foodie – entwickelte vor zwei Jahren seine Sashimi-, Calamari und Garnelen-Alternativen.

Dafür heimste er international viel Lob und auch Preise für Produktinnovationen ein. „Der Schwerpunkt des Interesses lag lange auf pflanzlichen Fleischalternativen“, so Sterk in einem Interview, „jetzt wird es Zeit für Produkte für Fischliebhaber.“

Seit Oktober in Österreich erhältlich

©Vegan Finest Foods

Seit wenigen Wochen vertreibt ein heimischer Lebensmittelhändler den veganen Fisch in mehr als 900 Standorten österreichweit. Der KURIER hat die Produkte verkostet: Die Textur (siehe Foto) und das Mundgefühl sind beim fischfreien Lachs und Thunfisch täuschend echt: Das Messer gleitet sanft durch den rosa Fischblock. Das Unternehmen schafft dies mit einer Rezeptur aus Tapiokastärke (Maniokwurzel) sowie Glukose aus Algen.

Und der Geschmack? Mäßig. Die süßlichen Noten kommen nicht annähernd an die neutralen-buttrigen Aromen von Fisch heran. Allerdings stoßen die Produkte unter veganen Konsumenten auf großes Interesse, da jetzt Trend-Gerichte wie Poké-Bowls auch fischfrei zubereitet werden können.

Hergestellt werden die Produktneuheiten in Taiwan, mittelfristig wünscht sich Sterk aber Produktionsmöglichkeiten in Europa, am liebsten in den Niederlanden. Generell scheint sich dort Europas Zentrale für eine fleischfreie Nahrungsmittelindustrie zu entwickeln.

Anita Kattinger

Über Anita Kattinger

Leidenschaftliche Esserin. Mittelmäßige Köchin. Biertrinkerin und Flexitarierin. Braucht Schokolade, gute Bücher und die Stadt zum Überleben. Versucht die Welt zu verbessern, zuerst als Innenpolitik-Redakteurin, jetzt im Genuss-Ressort.

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