Gin ohne Tonic: Warum Soda gut dazu passt

Gin Tonic ist so beliebt, dass es fast schon wieder fad wird. Es geht aber auch anders, wie Hendrick's Master Destiller Lesley Gracie weiß.

Für Queen Mum, Gott hab’ sie selig, wäre es vermutlich ein no go gewesen, Gin mit etwas anderem als Tonic zu mixen.  Die Mutter der heutigen Königin trank täglich – und zwar bis ins hohe Alter von 102 Jahren – ihren Gin Tonic, heißt es. Dass eine der heute wohl bekanntesten (und einfachsten) Spirituosen auch ohne die Zugabe des bitter-süßlichen Tonic Waters vielfältig in Cocktails eingesetzt werden kann, geht im anhaltenden Gin-Tonic-Boom fast unter.  Was schade ist, denn kaum eine Spirituose kann so unterschiedlich eingesetzt werden. Und auch an Mischmöglichkeiten gibt es mehr als nur Tonic und Zitrusfrüchte.

Was in den Gin kommt

Man sollte sich allerdings zuerst  dem Gin selbst zuwenden. Dass er so breit einsetzbar ist, liegt zum Teil an der Vielfalt der am Markt erhältlichen Gins. Und der jeweilige Geschmack ist wiederum die Folge der einzelnen Zutaten („Botanicals“), die ins Destillat eingebracht werden. Lesley Gracie legt das sehr breit an. „Man kann alles verwenden, so lange es Menschen essen können. Das Limit für Gin existiert nicht.“ Es komme nur darauf an, in welche Richtung man gehen wolle. 

Lesley Gracie entwickelte 1999 Hendrick's Gin

©William Gran & Sons

"Britischer Gin"

Der zarten, kleinen Frau mit dem Markenzeichen fast knielanger, grauer Haare, die sie locker zusammengebunden hat, glaubt man das. Gracie ist  „Master Destiller“ der Hendrick’s Gin Destillery und damit jene Person, die für den Geschmack dieses Gins verantwortlich ist.  Vor zweiundzwanzig Jahren hat die studierte Chemikerin in ihrem Labor im Firmensitz im Küstenstädtchen Girvan im Süden Schottlands an Aromen und Geschmäckern getüftelt. Elf Botanicals wählte sie aus.  „Einer dieser glücklichen Momente“, sagt sie rückblickend über die Komposition.  Destilliert wurde jahrelang ausschließlich in zwei alten, restaurierten Brennblasen ihres   Chefs Charles Gordon. Der Besitzer der schottischen Whisky-Destillerie William Grant & Sons, zu der Hendrick’s gehört, habe einen besonders „britischen“ Gin gewollt, erzählt Gracie. Weshalb   noch untypischerweise Gurken- und Rosenessenz dazukommt. Was wäre britischer als Gurkensandwiches und Rosenduft? Seit damals hat die Gin-Macherin in ihrem Labor mit Botanicals experimentiert und die gewonnenen Flüssigkeiten gesammelt. Destilliert hat sie   fast überall, sogar auf dem Boden einer Hütte im Regenwald von Venezuela, in ihrer Reisedestille mit etwa eineinhalb Meter Durchmesser, die sie beim Besuch in ihrem „Lab“ stolz zeigt. 

Purer Geschmack

Tonic wäre in diesem abgelegenen Dorf im Regenwald schwierig zu beschaffen gewesen. Für Destiller wie Gracie – eine der wenigen Frauen in der Branche – zählt der pure Geschmack  während und nach dem Herstellungsprozess. Vielleicht mit ein Grund, warum ihr Lieblingsdrink mit Sodawasser gemischt wird.  „Ich trinke normalerweise etwas Einfaches, das die Botanicals zur Geltung bringt.“ Dazu kommen Holunderblüten, für die sie eine besondere Vorliebe in Drinks hat. Als „ausgewogen, erfrischend und perfekt am Ende eines Tages“ beschreibt sie ihn.

Gin-Rezepte

The Lesley Gracie
50 ml Hendrick’s Gin
15 ml Holunderblüten-Sirup
Soda
Eiswürfel, Gurkenscheiben
Gin und Sirup in ein Glas mit Eiswürfeln geben, mit Sodawasser auffüllen und mit Gurken garnieren

Cucumber Lemonade
Für diese Soda-Variante 50 ml Gin, je 20 ml Zitronensaft und Zuckersirup in einem Glas mit Eiswürfeln verrühren und mit Sodawasser auffüllen. Nach Wunsch mit Gurken- und Zitronenscheibe garnieren  

Gin Gin Mule
50 ml Gin
6 bis 8 Minzblätter abgezupft
25 ml Limettensaft
30 ml Zuckersirup
Gingerbeer  alkoholfrei
Eiswürfel, Minzzweig
Minze, Limettensaft und Zuckersirup in einen Shaker geben und mit einem Stößel zerstoßen (muddlen)
Eis und Gin dazugeben, Shaker verschließen und kräftig shaken
Eiswürfel in ein Glas füllen. Gin-Mischung mit einem feinen Sieb oder Bar-Strainer ins Glas abseihen und mit einem Minzezweig garnieren  

Negroni
30 ml Gin
30 ml roter Vermouth
30 ml Campari
Eiswürfel, Orangenzeste  
Alle Zutaten in ein Tumbler-Glas mit Eiswürfeln geben und mit einem Barlöffel langsam verrühren

Variante: Den Cocktail-Klassiker mit
je 15 ml Campari und Aperol zubereiten  

 

Mit Soda

Auf Soda schwören auch viele Barkeeper, und manche Gin-Experten bezeichnen dieses Gin & Soda gerne als „erwachsenen Gin Tonic“. In einem Mischverhältnis 1 : 1 oder 1 : 2 bleibe der ureigene Geschmack jedes Gins unverfälschter als mit Tonic. Bei Fruchtsäften (Gin & Juice) ist das naturgemäß nicht der Fall, offeriert  kreativen Gin-Freunden aber eine weitere Spielwiese. Da ist von Orangen- über Trauben- bis hin zu Zitrusfrüchte-Mischungen alles möglich. Sofern es mit dem jeweiligen Gin harmoniert.

Auf den Geschmack gekommen?

Spirituosen-Tasting unter Sternenhimmel mitten im barocken Park des Palais Auersperg in der Wiener Josefstadt. Donnerstagabends in den Monaten Juni bis September können direkt vor unserer freizeit.lounge rund 20 Gäste an unseren freizeit.tastings teilnehmen.

Hier geht's zu den Tickets der freizeit.tastings
Die Tickets sind streng limitiert, die Teilnahme kostet € 40,-  

Hier findet ihr alle Termine auf einen Blick, die Tastings starten jeweils um 19.00 Uhr

Zitrus und Angosturabitter

Apropos Zitrusfrüchte – gänzlich ohne Tonic kommen auch Sours aus. Bei dieser Cocktail-Gattung wird eine Spirituose mit Zucker- und Zitrusgeschmack gemixt –  das passt  zu Gin. Und manchmal reichen sogar nur ein paar Tropfen des klassischen Cocktail-Würzmittels Angosturabitter für einen eher starken Gin-Drink: Es färbt die Spirituose rosa, was ihm den Namen „Pink Gin“ einbrachte (nicht zu verwechseln mit den pinkfarbenen Mode-Ginsorten, oft mit Beerenaromen). Der heute klassische Cocktailbitter Angostura war 1800 als Mittel gegen Tropenkrankheiten entwickelt worden, Seeleute fanden die Mischung mit Gin bekömmlicher. Und dass   die britische Marine „Pink Gin“ angeblich sehr lange als Mittel gegen Seekrankheit einsetzte, schließt den Kreis zum Gin Tonic. Immerhin hat auch er seine Wurzeln in der Krankheitsverhütung.

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Schwerpunkt Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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