51 Jahre am Markt: Dr. Maroni und sein Geheimrezept

von Teresa Sturm

Roman Stippich verkauft seit Jahrzehnten Maroni und Erdäpfel in Krems. Die Kundschaft ist ihm treu.

1971 hat der gerade einmal 20-jährige Roman Stippich begonnen, in der Kremser Innenstadt Maroni zu verkaufen. „Ich war noch gar nicht gewerbeberechtigt“, erzählt er heute. Die Polizei habe damals aber Nachsicht gezeigt und ihm empfohlen, einen guten Platz zu suchen. „Das war zu der Zeit noch sehr gemütlich.“ Schon damals hat er sich am Täglichen Markt platziert. Mittlerweile steht er in der kalten Jahreszeit mit seinem Stand immer genau an dieser Stelle.

In der Region wird er liebevoll Dr. Maroni genannt, seine Kastanien sowie die Bratkartoffeln sind so beliebt, dass die Schlange oft lang ist. Manche seiner Kunden kennt er bereits, seit sie Kinder waren. „Die kommen jetzt schon mit dem eigenen Nachwuchs.“ Viele Freundschaften seien über die Jahre entstanden. Mit Standort an einem der Hauptkommunikationszentren der Stadt erfährt er viele Geschichten aus erster Hand: „Ich weiß alles über Krems.“

Seit 1971 verkauft Roman Stippich seine Maroni.

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Offenes Ohr

Er selbst ist ein Zuhörer. Der St. Pöltner weiß von der Stammkundschaft, welche Sauce bevorzugt wird und wer die Kartoffel lieber mit Kräutersalz isst. Doch auch Probleme werden ihm anvertraut. Für sein offenes Ohr kriegt er auch viel zurück. Ein Freund bringt fast jeden Tag Mittagessen, ein weiterer liefert Kaffee. Denn viele Pausen gibt es nicht. Stippich arbeitet jeden Tag, nur an den Weihnachtsfeiertagen ist frei. Wenn viel los ist, wie am Wochenende, helfe seine Freundin, sagt er lächelnd.

Mit 72 Jahren macht sich Stippich Gedanken um die Nachfolge. Sein Sohn kann nicht übernehmen, der hat seinen Stand in St. Pölten. Jeder, der folgt, müsse aber das Kartoffelrezept ablösen, „weil ohne dem macht er kein Geschäft“, sagt Stippich selbstbewusst und ergänzt geheimnisvoll lächelnd: „Die Leute glauben, man kann die Kartoffeln in Rapsöl rausbraten und das war’s. So ist es aber nicht.“

Daran merkt man, wie stolz Stippich auf das Geheimrezept und seine Arbeit ist: „Das ist ja eine Freude. Ich habe Erfolg damit gehabt.“ Derzeit denkt er ohnehin noch nicht ans Aufhören, „weil es mir noch immer Spaß macht“.

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