Anti-Falten-Spritze: Neues Präparat wirkt wie Botox, soll aber länger halten

Amerikanische Arzneimittelbehörde erteilte jüngst die Zulassung für ästhetische Anwendungen. Experten: „Muss sich erst beweisen“.

Die Erwartungen sind hoch gesteckt: Ein neues Präparat soll dem marktbeherrschenden Botulinumtoxin – umgangssprachlich Botox – Konkurrenz machen. Die US-Arzneimittelbehörde Federal Drug Administration (FDA) hat ein neues Medikament mit dem Namen Daxxify zugelassen, das laut Hersteller gegenüber Botox länger anhalte. Dies sei gerade in einer Welt, in der Zeit eine wichtige Rolle spiele, ein großer Vorteil für ein Produkt, zitiert die New York Times einen Experten.

Bei dem neuen Medikament handelt es sich wie bei Botox um ein sogenanntes neuromuskuläres Blockiermittel. Es wird in Muskeln injiziert, dadurch werden die Muskeln gewissermaßen eingefroren. Vor allem in der Faltenbehandlung ist dieser Wirkmechanismus seit einigen Jahrzehnten bewährt. Botox wird allerdings auch erfolgreich zur Behandlung medizinischer Beschwerden eingesetzt, entweder bei Migräne, einer überaktiven Blase oder auch bei übermäßigem Schwitzen.

Auflösung

Der Nachteil einer Behandlung mit Botox (eigentlich ein Nervengift) ist ihr Zeitfaktor. Das injizierte Mittel löst sich mit der Zeit auf, die Wirkung verpufft – und es muss nachbehandelt werden. Mit dem neuen Präparat müssten die Anwender „nicht alle drei Monate zur Behandlung gehen“, heißt es in der New York Times.

Derartige Angaben überraschen die Dermatologin Daisy Kopera. Sie leitet an der Medizinischen Universität Graz das Zentrum für Ästhetische Medizin und hat in mehr als 25 Jahren viel Erfahrung mit Botox gesammelt. „Ich habe noch nie jemandem empfohlen, alle drei Monate zu kommen. Meiner Erfahrung nach hält eine Injektion im Durchschnitt sechs Monate an, manchmal etwas länger, manchmal etwas kürzer.“ Die beworbene Dauer sei also auch bei den derzeit am Markt verfügbaren Botoxpräparaten bereits der Fall.

Praxis-Test

Bei Daxxify handelt es sich Koperas Einschätzung zufolge um ein etwas abgewandeltes Botulinumtoxin. „Es kann sein, dass diese neue Substanz, die auch von einer etablierten Firma entwickelt wurde, tatsächlich länger anhält – aber diese Substanz muss sich erst in der Praxis beweisen“.

Bisher ist das Präparat nur in den USA zugelassen. Die Firma hat nach eigenen Angaben viele Jahre mit der Entwicklung eines wirksamen neuromuskulären Blockiermittels verbracht.

In den Studien, die der FDA für die Zulassung vorgelegt wurden, stellten etwa 80 Prozent der Anwender vier Monate nach der Injektion gar keine oder nur leichte Falten im Gesicht fest. Die Hälfte sah die Wirkung auch nach sechs Monaten noch. Allerdings wurden auch mehr Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen verzeichnet, als bei der Gruppe, die ein Scheinpräparat erhalten hatten. Dennoch erhofft sich das Unternehmen weitere Einsatzgebiete abseits der Faltenbehandlung.

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Schwerpunkt Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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