Fremdenführer: „Wir legen jetzt wieder voll los“

Neue Reiselust in Österreich: Die Austrian Guides zwischen Not und Aufbruchstimmung.

Das Coronavirus traf ihr Metier frontal, jeder Zehnte von den rund 2.000 Fremdenführern in Österreich musste seit März 2020 seinen Job aufgeben. Die verbliebenen Austrian Guides hatten es zuletzt auch nicht unbedingt lustig. Doch die Pandemie hat einige Kollegen und Kolleginnen erfinderisch gemacht. Etliche neue Angebote wurden geschaffen.

„Derzeit orte ich wieder mal ein bisserl Aufbruchstimmung“, erzählt Christa Bauer. Sie ist die Präsidentin des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer. „Das hängt aber auch davon ab, wen man da fragt“, ergänzt Vizepräsidentin Regina Engelmann. So lassen die ersten Buchungen für deutschsprachige Führungen auf eine halbwegs gute Saison hoffen. Weniger optimistisch sind dagegen jene, die Führungen für Gäste aus Asien oder auch aus Osteuropa anbieten.

Christa Bauer, Präsidentin des Vereins der geprüften Wiener Fremdenführer

©Kurier/Juerg Christandl

Viel und vor allem viel Neues wird auch in diesem Jahr für das heimische Publikum geboten, werben Bauer und Engelmann für ihre Berufsgruppe. „Wir haben als Reaktion auf die Krise neue Orte und Themen erschlossen“, freut sich Präsidentin Christa Bauer.

©Verein der geprüften Wiener Fremdenführer

Über Gauner und Fußballer

Ob die Spezialführungen über die Seuchen in der hiesigen Geschichte heuer noch oft gebucht werden, wird sich weisen. Ein Renner werden wohl die geführten Spaziergänge in bisher nicht-touristische Räume bleiben – zum Beispiel nächtliche Touren durch den Wiener Zentralfriedhof oder ein informativer Rundgang zum Thema „Zöllner, Gauner und Spinatwachter“ oder zum Fußball in der Vorstadt. Neu ist auch ein ganzer Zyklus zu den Sternzeichen in Kunst und Kultur. Weiterhin angeboten werden Online-Stadtwanderungen, denen man, ohne auch nur einen Schritt vor die Haustür setzen zu müssen, gemütlich auf der Couch beiwohnen kann.

„Wir legen jetzt wieder voll los“, verspricht Präsidentin Bauer allen Reisehungrigen. „Wir müssen dabei weiterhin auf Sicht agieren“, betont Vizepräsidentin Engelmann. Jede neue Reisewarnung zieht in der Sekunde eine Stornowelle nach sich. Zu denken gibt den Diplom-Fremdenführerinnen, dass sich derzeit nur halb so viele Menschen zu einer Ausbildung anmelden wie vor Ausbruch der Corona-Krise. Damals boomte die Branche allerdings.

Infos für Frühbucher

Ein erster Überblick: Etliche Führungen der geprüften Wiener Fremdenführer sind bereits auf dieser Seite verzeichnet.

Geheimtipp: Der Welttag der Fremdenführer findet auch heuer am 20. 2. statt, und zwar im  MAK – Museum für angewandte Kunst. Geheimtipp für die KURIER-Leser: Gleich am 9. 2. zu den schnell ausgebuchten Gratis-Führungen anmelden. Alle Informationen dazu schon jetzt hier.

 

Uwe Mauch

Über Uwe Mauch

Uwe Mauch, geboren 1966 in Wien, seit 1995 Redakteur beim KURIER, im Lebensart-Ressort zu Hause, Autor lebensnaher Reportagen sowie mehrerer Reportage-Bücher, u. a.: "Unsere Nachbarn" (2002), "Wien und der Fußball" (2007), "Lokalmatadore" (2008), "In 80 Arbeitstagen um die Welt" (2011), "Federführend. Über die Magie der Handschrift" (2013), "Stiege 8/Tür 7. Homestorys aus dem Wiener Gemeindebau" (2014), "Die Armen von Wien" (2016) sowie eines "Wien"- und eines "Zagreb"-Stadtführers.

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