Martina Ebm: „Mir bricht diese Situation das Herz"

Christoph Silber

von Christoph Silber

ServusTV. Der erste „Meiberger“-Spielfilm bringt die Premiere von Martina Ebm als Kommissarin. Die Josefstadt-Schauspielerin über den Dreh, das Theater und Corona

Ein hochkarätiges Schauspiel-Ensemble bittet im ersten „Meiberger“-Spielfilm nach drei Serien-Staffeln zu einem „mörderischen Klassentreffen“ (20.15, ServusTV). Das bringt neben einem Wiedersehen der Ex-Schulkollegen auch einen Toten, den verhassten wie berühmt gewordenen Martin Mars (Philipp Hochmair).  Gerichtspsychologe Meiberger (Fritz Karl) findet sich in einer ungewohnten Rolle wieder – er zählt für die neue, schräge Kommissarin Anna Doppler (Martina Ebm) zum Kreis der Verdächtigen.

Ihre Figur der Kommissarin Doppler hat in dem ersten Langfilm von „Meiberger“ ihren Premieren-Auftritt. Was hat Sie an dieser Figur interessiert?

Martina Ebm:  Die Doppler ist ein komplexer Charakter, nicht ganz einfach zu fassen, das macht sie für mich als Schauspielerin interessant. Ich habe mich in diese Rolle schon beim Casting verliebt. Sie ist eine chaotische, aufgeräumte, in sich aber ruhende, lakonisch wirkende Frau. Als ich das Drehbuch das erste Mal gelesen habe, hat sie mich an einen weiblichen Columbo erinnert. Bei ihren Auftritten nimmt sie sich ihren Raum und schützt den auch – in dem Fall mit Energie und Kerze –, gleichzeitig bleibt sie undurchschaubar.  Mir gefällt auch, damit verbunden, wie sie die Tätersuche anlegt und die Befragungen durchführt. Diese Figur ist spannend und hat Potenzial für eine weitere Entwicklung und damit auch für weitere Filme, wenn es die geben sollte.

Ihre Kommissarin kommt ziemlich verhuscht herüber, man ist sich aber nicht sicher, was davon „echt“ ist und was Mittel zum Zweck?

(lacht) Naja, Doppler ist als Ermittlerin mit einem Mord konfrontiert. Das heißt, sie ist gezwungen, sich eine Strategie zurechtzulegen, um den Täter oder die Täterin zu finden. Sich nur hinzustellen und nach dem Mörder zu fragen, wäre ja ziemlich dümmlich. Zu irritieren ist da schon eher erfolgversprechend. Dazu kommt, dass sie in einem männerdominierten Beruf unterwegs. Das erklärt auch ihr toughes Auftreten. Sie hat gelernt bzw. lernen müssen, mit Nachdruck Dinge einzufordern.

Das tut Doppler nicht nur gegenüber Verdächtigen sondern auch gegenüber Kollegen. Etwas wenn sie von Ganslinger, der sie für ein bisserl „besonders“ hält, Loyalität einfordert.

Ich frage mich gerade, ob Ganslinger so auch über einen männlichen Kollegen reden und an ihm zweifeln würde – das hat sie wohl schon öfter erlebt, stelle ich mir vor, und da muss sie sich eben durchsetzen, um ernst genommen zu werden in ihrem Metier und das tut sie.

Man hatte wegen der Pandemie das Drehbuch umarbeiten müssen. Wie hat Ihnen dieses Klassentreffen-Setting behagt?  

Ich habe das Drehen in diesem Schloss wirklich gemocht. Ich bin bei Dreharbeiten gern in einem vertrauten Umfeld, das hilft mir und das war hier absolut gegeben, weil es auch nicht ständige Ortswechsel gegeben hat. So etwas ist für mich wichtig, weil ich mich geschützt fühle. Den Corona-Schutz-Vorgaben entsprechend wurden wir jeden Tag getestet, geimpft waren wir da auch schon, es war Sommer und die Zahlen viel niedriger als heute. Ich brauche das, dass ich den Leuten, mit denen ich arbeite, vertrauen kann, erst recht in Zeiten wie diesen. Es war wirklich ein angenehmes Arbeiten.

„Meiberger“ hat als Serie bereits drei Staffel. Das heißt, das Kern-Team kennt sich. Jetzt sind Sie im vierten Jahr dazu gestoßen. War das nicht ein wenig seltsam?

Darüber habe ich mir vorab überhaupt keine Gedanken gemacht und, wie sich dann gezeigt hat, war es auch nicht notwendig. Ich wurde wirklich nett aufgenommen. Es spielte keine Rolle, vielleicht lag es auch daran, dass bei diesem „Meiberger“-Film viele neue Schauspieler dabei waren. Ich war also auch nicht „die“ Neue, da gab es mehrere.

Tatverdächtig: Melanie (Marion Mitterhammer), Hansi (Gerhard Liebmann) und Thomas Meiberger (Fritz Karl)

©ServusTV / Mona Film / Martin Hörmandinger
Corona macht es Künstlern, Schauspielern schwer.

Es ist ein Privileg, arbeiten zu dürfen. Bei „Geheimnis einer Unbekannten“ war damals just der Tag der Premiere dann der erste Tag des Lockdowns. Ich erinnere mich, dass Herbert Föttinger, im Grunde selbst sprachlos, nach der Generalprobe mitteilte, dass alle Theater wegen der Pandemie sperren müssen. Da war völlige Ungläubigkeit, dass das möglich ist. Im Rückblick sieht man die Maßnahmen natürlich mit anderen Augen, aber in dem Moment war es ein Schock, man hatte das davor ja auch noch nie erlebt. Jetzt, in der aktuellen Situation, kann man nur das Beste hoffen.

Sie sind nun auch wieder stärker im Fernsehen präsent?

Letzte Woche war die Ausstrahlung von „Die Toten am Bodensee“. Zwei weitere Folgen, in denen ich mitspiele, sind abgedreht. Ich spiele hier die Freundin des Ermittlers, die in dieser ersten Folge selbst tatverdächtig ist, also nicht ganz vertrauenswürdig – auch eine spannende Figur und wiederum etwas ganz anderes als „Meiberger“ oder die „Vorstadtweiber“.

Aus den „Vorstadtweibern“ sind Sie relativ früh ausgeschieden. Warum?

Ich hatte damals das Gefühl, dass die Figur der Caro auserzählt ist. Ich hätte nicht gesehen, was an Entwicklung man noch hätte großartig erzählen können. Außerdem habe ich eben das große Glück, dass ich am Theater bin und dort so schöne Rollen spielen kann. Ich liebe das Theater, ich liebe es dort zu spielen. Deshalb bricht mir diese aktuelle Situation das Herz

In der anstehenden letzten Staffel der „Vorstadtweiber“  sind die wesentlichen Protagonisten der Serie wieder dabei sein. Hatte das auch was von „Klassentreffen“?

Da will ich noch nichts verraten. Es war jedenfalls ein schöner Abschluss.

Danke für das Gespräch.

 

Christoph Silber

Über Christoph Silber

Schreibt über Medien-Wirtschaft und -Politik, Werbung und Fernsehen und das seit 1997 beim Kurier.

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