Warum der Allerheiligen-Striezel für Verbundenheit steht

Zu Allerheiligen steht das süße Brot für Verbundenheit und Zuneigung.

„So groß wie das Kind“ müsse der Allerheiligenstriezel in seiner oststeirischen Heimat sein, erzählt Kollege S. und zeigt zum Beweis ein Foto – tatsächlich kann sein vierjähriger Sohn seinen ein Meter langen Striezel kaum alleine halten. Münzen für die Sparbüchse in die Verflechtungen der Teigstränge zu stecken, ist allerdings nicht üblich. Dafür im niederösterreichischen Mostviertel und auch im benachbarten Oberösterreich. Wenngleich der Germteig- oder Brioche-Zopf hier durchwegs handelsübliches Format hat und von den Tauf- und Firmpaten nicht in Kindsgröße verschenkt wird.

Verschenkt wird das flaumige Backwerk dieser Tage allerdings vielerorts in Österreich, Bayern und zum Teil in Ungarn – ein altes Brauchtum, das in der Gegenwart noch immer gern gepflegt wird. Je weiter westlich man in Österreich reist, desto eher wird der Striezel Zopf genannt werden.

Süßes Zubrot

Was nichts an den Hintergründen des Brauchs ändert. Rund um Allerheiligen und Allerseelen wurden früher nicht nur traditionell die Gräber der verstorbenen Familienmitglieder besucht, sondern auch die Lebenden bedacht. Und so hat sich zu Allerheiligen der Besuch der Paten bei ihren Patenkindern eingebürgert.

Wenn man die einfachen Verhältnisse mancher Landbewohner in früheren Zeiten bedenkt, durchaus ein Geschenk mit mehr Bedeutung: Weißes Mehl war teuer, das verlieh dem Striezel etwas Besonderes. Das passt zur alten Überlieferung, wonach der Striezel für Verbundenheit und Zuneigung steht.

Vermutlich hat die Brotgabe noch viel weiter zurückliegende Wurzeln. Das Abschneiden der Haare in Form geflochtener Zöpfe soll in antiken Kulturen ein Zeichen von Trauer gewesen sein. Und durch eine Geschichte Peter Roseggers ist überliefert, dass in der Steiermark im 19. Jahrhundert Bedürftige zu Allerheiligen Brot geschenkt bekamen.

Überliefert sind für das Flechtwerk daher auch noch andere Namen. Von Heiligen-, Allerseelen- oder Armenstriezel ist die Rede. Sogar als Verehrerstriezel, wie in Gegenden des Burgenlands. Den Striezel überreichen Burschen einem Mädchen am Allerheiligentag. Und auch in diesem Fall dürfte Zuneigung der Grund des Geschenks sein.

Ingrid Teufl

Über Ingrid Teufl

Redakteurin im Ressort Lebensart. Gesundheit, Wellness, Lifestyle, Genuss. Seit 1997 beim KURIER, Studium Geschichte/Publizistik, Germanistik, Politikwissenschaften [Mag.phil.] Mag Menschen, Landschaften und Dinge, die gut tun, gut schmecken, gut riechen, neu sind.....und darüber schreiben.

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