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Michael Aufhauser über Mensch & Tier

Foto: KURIER/Franz Neumayr

 

Michael Aufhauser über Mensch & Tier

Michael Aufhauser, 62, ist Chef des größten Gnadenhofes für Tiere in Österreich. Bis dahin war es ein weiter Weg mit vielen Leben als Jetsetter, Schauspieler und Reiseleiter. In der freizeit erzählt er, warum ein Genie in ihm steckt.

freizeit: Herr Aufhauser, haben Sie Tiere schon immer geliebt?
Michael Aufhauser: Bedingt durch meinen Lebensstil habe ich früher primär an mich gedacht. Ich war nie grausam zu Tieren, aber wenn ich in Amerika war, habe ich meine Hunde ohne schlechtes Gewissen der Haushälterin überlassen. Mich hat auch nicht interessiert, wie oft sie mit den Hunden draußen war. Das ist jetzt anders. Unsere Tierpfleger müssen unseren Tieren jeden Tag schöne Momente schenken.


Wann wurde dann aus dem Tierhalter Aufhauser der Tierliebhaber?
Das war zu einer Zeit, als mein Leben bereits in trockenen Tüchern war. Eines Tages habe ich beim Reiten mein Leben Revue passieren lassen, was mir vorher aus Zeitmangel nie gelungen ist. Da kam mir in den Sinn, wie traurig mich die Straßenkinder in Peru, die Kinderarbeit in Afrika oder gequälte Hunde an der Costa del Sol gemacht haben. Ich sagte mir: „Wie kannst du jetzt so tun, als sei das alles normal? Das widerspricht dir doch, Michael!“ Aber irgendwie wusste ich auch, warum ich alles verdrängt hatte.


Was war der Grund dafür?
Ich war umgeben von Leuten, die auch sehr reich waren und deshalb abschalten konnten. Einer meiner Mentoren war der Fürst von Thurn und Taxis, als er noch Erbprinz war. Er war in vielerlei Hinsicht ein Vorbild, deshalb habe ich  ihm eine Zeit lang nachgeeifert. Dabei hatte ich selbst gar kein Schloss, was ich aber erst realisieren musste. Irgendwann habe ich beschlossen, dass es keine weißen Handschuhe mehr geben wird und ich meine Springpferde „pensioniere“.

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"Meine Tierliebe hängt nicht von der Größe oder Schönheit eines Tieres ab. Für mich ist die letzte, alte Gans etwas Besonderes."

Foto: KURIER/Franz Neumayr

 

Ihre Mutter war in der Textilindustrie, der Vater Offizier beim Bundesgrenzschutz. Das klingt nach einer normal-bürgerlichen Herkunft. Woher hatten Sie  Geld für Diener und Pferde?
Ich komme aus gutem Haus, habe stets sehr gut verdient und auch geerbt. Geld hatte ich zwar immer, aber Glück habe ich dadurch nicht gesehen. Eher etwas Banales wie die Erhaltung eines Lebens, das mit ästhetischen Punkten einhergeht, aber trotzdem nicht erstrebenswert ist. Paläste und Gärten sind zwar schön, aber irgendwann wurde mir bewusst, dass man das nicht braucht.

 

Was hat diesen Sinneswandel ausgelöst?
Das war ein Prozess. Irgendwann fragt man sich:  „Is that all there is?“ Meine Angestellten waren unterwürfig und höflich. Sie haben alles für mich gemacht. Das hatte zur Folge, dass meine Sperenzchen immer extremer wurden. So hat es mich zum Beispiel geärgert, wenn statt dem „Fliegenden Holländer“ aus dem Jahr 1979 die Version von 1978 eingelegt wurde. Irgendwann habe ich gemerkt, dass das nicht ich bin und nie war.

 

Haben Sie dann Gut Aiderbichl gegründet?
Ich hatte 30 Jahre eine Lebensgefährtin, die viel älter war als ich. Ich war einige Zeit beruflich in Boston, sie in Genf. Jedes Mal, wenn ich in Europa war, bin ich zu ihr geflogen, weil sie im Widerspruch zu dem stand, was ich sonst so erlebt habe. Sie war lustig und nett und hat Tiere schon immer geliebt und geschützt. Da ist langsam die Aiderbichl-Idee entstanden. Wir haben das Land auch nicht über einen Luxus-Immobilienhändler gefunden, sondern ganz normal über eine Bank. Zu der Zeit hat sich auch meine Art verändert, mit Mitmenschen umzugehen.    

 

War das die Geburt des heiligen Michael von Aiderbichl?
Genau, wobei  ganz Österreich und Deutschland ja über mich gelacht hat, als ich mein erstes Schwein gerettet habe. Damals waren die Prominenten  ein guter Blitzableiter. Sie waren volksnah und beliebt, was die Leute dazu veranlasst hat, zu sagen: „Wenn die bei dem mitmachen, kann der gar nicht so irre sein.“

 

Sind Sie mit all den Prominenten so gut befreundet wie es aussieht?
Ich würde nicht den Optimismus erwecken wollen, dass wir den Wunsch  nach täglichen Anrufen oder  gemeinsamen Urlauben verspüren. Aber wenn man redegewandt ist, dann merkt man sofort: ‚Okay, das ist ein Seelenverwandter. Diese Leute sind so wie ich unter Druck – vielleicht noch mehr. Deshalb können sie relativ schnell erkennen, ob die Wellenlänge stimmt oder nicht.   

 

Glauben Sie, dass Gut Aiderbichl auch ohne Prominenz so bekannt geworden wäre?
Heute vielleicht schon. Das Bewusstsein für die Umwelt hat sich verändert. Als ich angefangen habe, war es noch nicht mal populär, über Ernährung nachzudenken. Mittlerweile sind neun Prozent der Österreicher Vegetarier. Abgesehen davon hatte ich damals kaum Menschen an meiner Seite, die nicht populär waren. Ich kannte einfach alle.


Wie haben Sie das angestellt?
Ich war ein paar Jahre Schauspieler und hatte eine Lehrerin, die mir viel Prominenz vorgestellt hat. Meinen langjährigen Freund Johannes Thurn und Taxis habe ich auch über sie kennengelernt.  Aber ich habe  mich auch alleine gut zurechtgefunden. Als Andy Warhol eines Tages nach München kam, wusste ich, dass er bei einer Filmpremiere war. Ich bin ihm dann später einfach in den „Alten Simpl“, ein Künstlerlokal, gefolgt.

 

Haben Sie ihn angesprochen?
Natürlich! Ich habe gesagt: „Ich  möchte Sie gerne kennenlernen, weil ich Ihre Kunst teilweise, aber noch nicht ganz verstehe.“ Und  er hat geantwortet: „Komm einmal nach New York.“  Ich war mit Johannes von Thurn und Taxis ohnehin öfter dort. Und Warhol hat mich dort anderen interessanten Leuten vorgestellt.

Foto: KURIER/Franz Neumayr

 

Foto: KURIER/Franz Neumayr

 

Foto: KURIER/Franz Neumayr

 

Warum haben Sie auf schillernde Persönlichkeiten so anziehend gewirkt?
Es hat vielleicht nur ein  einziges Mal in meinem Leben eine Art Genie bei mir angeklopft: Ich konnte mich immer sehr gut in meine Zuhörer hineinversetzen. Das war schon in meiner Zeit als Reiseleiter so. Anfangs wusste ich nicht viel über Kunst. Eines Tages hatte ich wegen einer Fehlplanung nur 15 Minuten Zeit, um mich auf eine Führung über Rubens vorzubereiten. Trotzdem kam nachher eine Deutsch-Amerikanerin zu mir und meinte: „Was Sie gerade erzählt haben, war so toll, weil es alle verstanden haben und Sie sich und Ihr Wissen nicht in den Vordergrund gedrängt haben.“ Ich hatte ein gutes Gespür für Timing, wusste, wann ich das Thema wechseln oder aufhören musste zu reden. Die Dame hat mir dann  einen Job bei einem Großkonzern für Tourismus angeboten, was für meine spätere Aufgabe auf Gut Aiderbichl extrem wertvoll war.

 

Gut Aiderbichl besteht mittlerweile aus 25 Höfen in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Frankreich. Das klingt nach jeder Menge Arbeit.
Aiderbichl ist ein Management-Job. Da geht es nicht darum, ob man einmal einen Korb Äpfel geschenkt bekommt, von dem ein paar Tiere eine Zeit lang leben können. Wir brauchen pro Jahr alleine 600 Lkw-Ladungen Heu und Stroh für unsere Tiere. Das sind zwei große Sattelzüge pro Tag. Dazu kommt die Produktion aus eigenem Anbau. Ich werde oft gefragt, ob ich BWL studiert habe. Aber es war immer „Learning by doing“. Ich bin zum Beispiel in der Tourismusbranche in Amerika mit Genies gereist. Sie haben mir alles über Budgets und Ziele beigebracht.  

 

Auf Gut Aiderbichl leben sehr viele Tiere. Stimmt es, dass Sie immer informiert werden wollen, wenn es einem nicht gut geht?
Rund um die Uhr. Meine Tierliebe hängt nicht von der Größe oder Schönheit eines Tieres ab. Für mich ist die letzte, alte Gans etwas Besonderes. Es ist so: Eine Taube ist krank, Aufhauser muss es wissen! Ich bin kein Kontroll-Freak, aber ich habe schon so viele Tauben ins Spital gebracht, dass ich weiß, wer für welches Leiden zuständig ist. Ob Flügelbruch, zerquetschtes Auge oder sonst was – ich weiß, wo der Spezialist sitzt.

 

Wie viele Tiere haben Sie  privat?
Neun Katzen, zwölf Hunde, zwei Gänse und ein Taubenspital. Ich lebe zwar in der Salzburger Innenstadt, habe aber einen großen Garten. Und in meinem Schlafzimmer schlafen viele Hunde. Ins Bett kommen aber nur vier.


Was ist das Wertvollste, das Sie  bisher von Tieren gelernt haben?
Liebe und Zuverlässigkeit. Ein Kater wird sich von seiner Oma nicht abwenden, nur weil sie ein Krebsgeschwür hat. Davon müssten wir lernen und erhobenen Hauptes sagen: „Ich habe einen dementen Menschen in der Familie.“ Tiere sind generell sehr berechenbar.

Foto: KURIER/Franz Neumayr

 


Foto: KURIER/Franz Neumayr

 


Gibt es auch Ausnahmen?
Ich kenne nur eine Tierart, die so unberechenbar ist wie der Mensch: Schimpansen. Auch eine Pflegerin, die einen Schimpansen 20 Jahre füttert und ihm den Kot wegmacht, muss bei einem ausgewachsenen Tier  immer mit dem Schlimmsten rechnen. Auch damit, dass sie in 1.000 Stücke gerissen wird.  

 

Derzeit geschieht auf der Welt viel menschliches Leid  – von Syrien bis Gaza. Ist in Zeiten wie diesen überhaupt Platz für Tierschutz?
Tierschutz ist der Schnittpunkt unserer Kultur. Wir Menschen haben mit dem geschriebenen römischen Recht das moralische Recht abgelöst. Tiere sind rechtlos. Jeder Mensch darf in jedem Land Tiere kaufen und sie ohne Weiteres zum betäubungslosen Schlachten nach Indonesien bringen. Da unserer Gesetzgeber nichts anderes vorgesehen hat, wäre es schön, wenn wir sagen würden: Das tun wir nicht! Mahatma Gandhi hat nicht umsonst gesagt, das sich am Umgang mit Tieren die Kultur eines Staates zeigt. Es könnte ja einmal sein, dass das Gesetz plötzlich sagt: Pädophilie ist ab 14 Jahren erlaubt. Dann müsste es so sein, dass auch ohne Strafandrohung niemand ein Kind und schon gar nicht das eigene verführt. Gehen Sie nach Thailand und reden Sie mit einem Hotelier. Die erwarten dort jedes Jahr eine Million Männer, die Kinder verführen. Gerechtigkeit muss nicht immer mit Strafe in Verbindung stehen. Wir müssen einfach aus moralischen Gründen sagen: Das tun wir nicht!

 

Gibt es Pädophilie eigentlich auch bei Tieren?
Da ist die Welt bei Tieren noch in Ordnung. Wenn etwa ein Fohlen auf der Weide auf einen Hengst zugeht, sieht der, dass das Fohlen in bestimmter Art und Weise die Nüstern bläht. Und der Hengst erkennt: Das ist ein Kind. Dem tu’ ich nichts, und geht weg. So müsste es sein.

 

Sind Sie glücklich, wenn Sie auf Ihr Lebenswerk blicken?
Es ist nicht nur mein Werk, sondern das Gemeinschaftswerk eines Teams. Ich habe die Idee geliefert, umgesetzt wurde sie von vielen Menschen wie meinem Geschäftsführer Dieter Ehrengruber. Aber ich bin der glücklichste Mensch der Welt. Das war früher anders, weil ich mit Dingen zu tun hatte, die nicht erfüllend waren – Geld und Erfolg. Heute darf ich machen, woran ich glaube. Aber ich kann mir auch vorstellen, irgendwann ohne Haustiere glücklich zu sein, weil ich mir selbst genüge. Es würde mir reichen, mich an den Tieren anderer Menschen zu erfreuen.

 

Wie stellen Sie sich Ihren Lebensabend vor?
Ich freue mich auf das Alter und würde gerne irgendwann einmal in Bad Ischl Kaffee trinken und über die Habsburger sprechen. Und zwar ohne auf die Uhr zu schauen. Davon träume ich!

 

Gibt es sonst noch einen Traum?
Ehrlich gesagt, wünsche ich mir sonst nichts. Außer eines: Dass wir eines Tages die Tiere nicht mehr vor den Menschen schützen müssen. Erst dann haben wir etwas verändert – nämlich uns.

Foto: KURIER/Franz Neumayr

 

Leben für die Tiere

"Heute darf ich machen, woran ich glaube. Aber ich kann mir auch vorstellen, irgendwann ohne Haustiere glücklich zu sein, weil ich mir selbst genüge."

Michael Aufhauser, 62, wurde in Augsburg geboren und war als Schauspieler und Reiseleiter in München tätig. Später arbeitete er als Tourismus-Experte in Amerika. Durch seine einfühlsame Art knüpfte er rasch Kontakte mit zahlreichen Prominenten wie dem Fürsten von Thurn und Taxis, mit dem er eine jahrelange Freundschaft pflegte. Geld und Karriere machten ihn aber nicht glücklich, weshalb er begann, sich mit dem Tierschutz zu beschäftigen und im Jahr 2000 den Gnadenhof „Gut Aiderbichl“ bei Salzburg gründete. Heute umfasst Aufhausers Lebenswerk 25 Höfe in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Frankreich.  An Tierleid hat er sich bis heute nicht gewöhnt: „Das Lachen bleibt mir oft im Hals stecken, aber ich bin kein Pessimist.“

Foto: KURIER/Franz Neumayr

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